Syrische Bevölkerung durch explosive Waffen verstümmelt und traumatisiert

Ewipa Nothlife
Syrien

Anlässlich des Weltflüchtlingstags veröffentlicht Handicap International den Bericht „Syrien - eine verstümmelte Zukunft“, der die zerstörerischen Auswirkungen der Bombardierungen auf die syrische Bevölkerung aufdeckt. Laut diesem Bericht haben 15 % der registrierten Opfer eine Amputation erlitten, 80 % sind traumatisiert und psychisch stark belastet. Die Organisation fordert die Konfliktparteien dringend dazu auf, auf den Einsatz von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten zu verzichten, und erinnert daran, dass humanitärer Zugang gewährleistet werden muss, um die vom Konflikt betroffenen Menschen zu versorgen.

Qusai, 12 Jahre alt, leidet an zahlreiche Verletzungen am Bauch, Auge und Arme wegen Bombardierungen in Syrien.

Qusai, 12 Jahre alt, leidet an zahlreiche Verletzungen am Bauch, Auge und Arme wegen Bombardierungen in Syrien. | © Frederik Buyckx / Handicap International

Der Bericht „Syrien - eine verstümmelte Zukunft“ beruht auf einer Analyse von Handicap International über die Situation von rund 25.000 Menschen, die zwischen Juni 2013 und Dezember 2015 erstellt wurde. Dabei handelt es sich um von Handicap International Versorgte, sowohl Binnenvertriebene innerhalb Syriens als auch Flüchtlinge, die in Jordanien und im Libanon verweilen.

Der Bericht bringt die verheerenden Folgen des Einsatzes von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten zum Vorschein:

  • 53% der Befragten wiesen Verletzungen dieser Art auf;
  • 89% der Menschen, die durch explosive Waffen verletzt wurden, tragen eine vorübergehende oder dauerhafte Behinderung davon;
  • 80% von ihnen weisen Anzeichen für hohe psychische Belastung auf. 66% können aufgrund von Ängsten, Stress oder körperlicher und geistiger Erschöpfung keine grundlegenden Alltagsaktivitäten mehr ausüben;
  • 47% der für den Bericht gezählten Verletzten erlitten einfache oder komplexe Frakturen;
  • 15% erlitten eine Amputation.

Handicap International hebt in diesem Rahmen hervor, dass der mangelnde Zugang zur Versorgung die Auswirkungen explosiver Waffen auf die Verwundeten noch verschlimmert. Die fehlende angemessene medizinische Versorgung, die in Syrien auf den Zusammenbruch des Gesundheitssystems und in den Nachbarländern auf eine Überlastung durch die Aufnahme der verwundeten Flüchtlinge zurückzuführen ist, hat noch weitere schwere Folgen für die Patientinnen und Patienten: Es kommt zu Spätfolgen mit lebenslangen Beeinträchtigungen, Amputationen, Deformierungen der betroffenen Gliedmaßen, Behinderung oder gar zum Tod.

Da alle Konfliktparteien massiv auf den Einsatz dieser Waffen zurückgreifen, sind die Folgen für die Zivilbevölkerung verheerend. „Aufgrund ihrer Explosions- oder Splitterwirkung töten explosive Waffen, oder sie verursachen komplexe Verletzungen. Ihre weitläufige Verwendung, gepaart mit dem Mangel an medizinischer Versorgung und angemessener psychologischer Unterstützung in Syrien, hat verheerende Folgen für das Leben der Menschen. Mit mehr als einer Million Verletzter in Syrien wird eine ganze Generation unter den Langzeitfolgen dieser Waffen zu leiden haben“, erklärt Petra Schroeter, Geschäftsführerin von Handicap International Schweiz.

Handicap International hat 2015 eine internationale Kampagne gestartet, die den Bombardierungen auf zivile Bevölkerungen ein Ende setzen will. Die Organisation ruft alle Staaten dazu auf, einer politischen Erklärung beizutreten, die den Einsatz von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten beenden und die Leiden der Zivilbevölkerung anerkennen soll. Zu diesem Zwecke ist Handicap International Mitbegründer der Koalition INEW (International Network On Explosive Weapons), die mehrere internationale und nationale Organisationen vereint.

Bericht Syria, a mutilated future.

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