Die Zivilbevölkerung muss vor den Explosivwaffen geschützt werden!

Die Verwendung von explosiven Waffen hat in den letzten vier Jahren deutlich zugenommen, obwohl einige dieser Waffen durch internationale Verträge verboten sind. Explosive Waffen werden in den meisten aktuellen Konflikten auch innerhalb dicht bevölkerter Gebiete eingesetzt, sowohl durch staatliche Streitkräfte als auch durch nicht-staatliche Gruppen – jüngste Beispiele dafür sind in Syrien, Gaza, im Jemen oder auch der Ukraine sichtbar. Die massive Verwendung dieser Waffen in städtischen Gebieten zeigt, dass der Schutz und das Leben der zivilen Bevölkerung vollständig ignoriert werden. 

Qusay, der nach einer Bombardierung in seinem Heimatland Syrien an beiden Beinen amputiert wurde

Qusay, der nach einer Bombardierung in seinem Heimatland Syrien an beiden Beinen amputiert wurde | © B. Almeras / Handicap International

Der Wirkungsbereich dieser Waffen, zu denen auch Antipersonen-Minen und Streumunitionen gehören, kann von einigen Metern bis hin zu mehreren hundert Metern Radius um die Explosion reichen. Und da keine Waffe voll und ganz zuverlässig ist und die Zielgenauigkeit variiert, bringen diese Waffen das Leben von Zivilisten umso mehr in grosse Gefahr.

Wenn sie nicht töten, so verursachen diese barbarischen Waffen Verletzungen und Verstümmelungen, zwingen Menschen zur Flucht, zerstören zivile Einrichtungen und behindern die humanitäre Hilfe. Ausserdem explodiert ein hoher Anteil dieser Waffen nicht bei ihrem Aufprall auf den Boden, wodurch sie noch lange nach einem Krieg als grosse Bedrohung liegen bleiben.

Täglich werden 90 Zivilisten weltweit durch explosive Waffen getötet und verletzt. Weil sie in dicht bevölkerten Gebieten eingesetzt werden, verursachen sie zu 92 Prozent zivile Opfer, darunter auch zahlreiche Kinder. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Bevölkerung im Irak, in Syrien, im Jemen, in Nigeria und Afghanistan, denn diese waren im Jahr 2015 am meisten betroffen.

Die Zivilbevölkerung und insbesondere Kinder müssen vor dem Einsatz dieser Waffen geschützt werden. So muss die Zerstörung von Wohnhäusern und zivilen Einrichtungen als Kriegsverbrechen betrachtet werden.

Handicap International fordert umgehende Massnahmen, um dem Einsatz explosiver Waffen in bevölkerten Gebieten ein Ende zu setzen und weitere Massaker sowie das inakzeptable Leiden der Bevölkerung zu verhindern. Das humanitäre Völkerecht muss respektiert werden. Wir rufen die Staaten dazu auf, das Ausmass des Problems anzuerkennen und öffentlich den Einsatz dieser Waffen in bewohnten Gebieten zu verurteilen. Wir fordern diesbezüglich die Ausarbeitung einer politischen Erklärung sowie die Anerkennung der Rechte der Opfer. Unsere Organisation fordert weiterhin, dass Massnahmen zur Räumung der verseuchten Gebiete unternommen werden und in den betroffenen Gemeinden über die Gefahren von explosiven Kriegsresten aufgeklärt wird.

Es ist essentiell, die Welt an den wichtigen Kampf gegen explosive Waffen und die Gewalttaten zu erinnern, die in bewaffneten Konflikten an der zivilen Bevölkerung begangen werden.

1992 gründete Handicap International zusammen mit fünf weiteren Nichtregierungsorganisationen die Internationale Kampagne für das Verbot von Landminen, die fünf Jahre später zur Unterzeichnung des Ottawa-Vertrags führte. Dafür erhielt die Organisation den Friedensnobelpreis in 1997. Unser Engagement setzten wir anschliessend in der Kampagne gegen Streubomben fort, die 2008 in den Oslo-Vertrag mündete.

In Genf steht Broken Chair auf dem Place des Nations stellvertretend für den bedeutenden Einsatz für die Opfer dieser barbarischen Waffen. Er appelliert an die Verpflichtung der Staaten, ziviles Leben zu schützen und die Opfern zu unterstützen. So symbolisiert er gleichermassen die Schutzbedürftigkeit und die Würde der Menschen, die in Konflikten geschädigt werden. Heute soll Broken Chair allen den fortbestehenden Kampf von Handicap International gegen explosive Waffen und die Folgen für die zivilen Bevölkerungen in Erinnerung rufen und zeigen, dass es möglich ist, zu handeln und Dinge zu ändern.

Die Broken Chair Webseite: broken-chair.com 

IM JAHR 2015:

  • 90 ZIVILISTEN wurden jeden Tagen durch eine explosive Waffe getötet oder verletzt

  • Das macht 43'000 MENSCHENin nur einem Jahr

  • Von ihnen sind 92 % ZIVILISTEN, weil diese Waffen in bevölkerten Gebieten eingesetzt werden

DIE FOLGEN DES EINSATZES VON EXPLOSVEN WAFFEN IN BEVÖLKERTEN GEBIETEN:

Infographie EWIPA