Bomben auf Wohngebiete: die Zivilbevölkerung leidet

Minen und andere Waffen

In aktuellen Konflikten ist die Bombardierung von Wohngebieten an der Tagesordnung. Es werden nicht nur Zivilpersonen getötet und verstümmelt, sondern auch ganze Wohngebiete vollkommen zerstört. Flüchtende Menschen, Verarmung der Familien, die Verseuchung betroffener Gebiete mit explosiven Kriegsresten: die Bombardierung der Wohngebiete hat verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung.

Piktogramm Bombardierung

Pictogramm, das die Folgen der Bombardierung bevölkerter Gebiete zeigt. | © Handicap International / Armelle Toucour

Häuser und Wohnungen werden teilweise oder vollkommen durch die wahllose Bombardierung zerstört, persönliche Gegenstände wie Möbel und Geschirr pulverisiert. In der irakischen Stadt Mossul, die zwischen 2016 und 2017 intensiv bombardiert wurde, sind nach Schätzungen mehr als 80 Prozent der betroffenen Gebäude Wohnhäuser. Mehr als 8.500 Wohnungen wurden so beschädigt oder vollkommen zerstört.

Auch eine Familie deren Haus nicht getroffen wurde, hat keine andere Wahl als zu fliehen, wenn das gesamte soziale und wirtschaftliche Leben ihres Stadtviertels vernichtet wurde. In den meisten Fällen fliehen die Familien mittelos. Wenn das gesamte Vermögen in den Bau eines Hauses investiert wurde oder in den Kauf einer Wohnung, dann hat die Familie alles verloren. Die Flucht ist immer chaotisch und gefährlich. In Syrien ist die Bevölkerung gezwungen bis zu 25 Mal weiter zu ziehen, bevor sie einen sicheren Ort zum Bleiben findet, immer mit Angst vor weiteren Angriffen. Diese wiederholten Umzüge bedeuten eine schwerwiegende psychische Belastung und verstärken die große Verunsicherung der Vertriebenen. 

Nach einer Bombardierung verbleiben in den Wohnungen oftmals explosive Überreste: Es handelt sich um Bomben, die nicht sofort explodiert, aber noch aktiv und sehr gefährlich sind oder um Teile von Bomben, die noch explosives Material enthalten. Ihre Präsenz verhindert eine Rückkehr der Bevölkerung in Sicherheit. Das Eingreifen von Minenräumern ist folglich notwendig.

Die Bevölkerung ist ganz besonders der Bedrohung durch explosive Überreste ausgesetzt, da sie oftmals ungeduldig darauf wartet, nach Hause zurückkehren zu können und das Aufräumen der Trümmer selbst in die Hand nehmen will.

Sie zu informieren und auf die Gefahren aufmerksam zu machen, ist also unbedingt notwendig. Handicap International führt in 13 Ländern Programme zur Sensibilisierung über die Gefahren durch explosive Überreste durch. In diesen Schulungen wird der richtige Umgang und das richtige Verhalten mit verdächtigen Gegenständen gelehrt: nicht nähern, nicht berühren, sofort die zuständigen Behörden rufen. Handicap International führt auch Entminungsprogramme in fünf Ländern durch, darunter der Irak und Kolumbien.

 

Handicap International setzt sich gegen die Bombardierung der Zivilbevölkerung ein

Handicap International führt seit mehreren Monaten eine Kampagne durch, um  die Nutzung von explosiven Waffen in Wohngebieten anzuprangern und zu verbieten. Die Bombardierung bevölkerter Gebiete ist eine entsetzliche Praxis, die gegenwärtig in bewaffneten Konflikten in Syrien, Afghanistan, im Jemen, in der Ukraine und in vielen weiteren Staaten an der Tagesordnung ist. [link Petition] Die Opfer dieses barbarischen Verhaltens sind zu 92% Zivilisten.

Explosive Waffen, die in Wohngebieten eingesetzt werden, töten, erzeugen Leid und schwere Verletzungen (Verbrennungen, offene Wunden, Knochenbrüche usw. ). Sie sind die Ursache von Behinderungen und psychischen Traumata. Durch ihren Einsatz wird die Bevölkerung zur Flucht gezwungen, die lebensnotwendige Infrastruktur wie Wohnräume, Schulen und Krankenhäuser wird zerstört.

Bei einem Angriff explodiert eine unterschiedlich große Menge an Waffen nicht sofort. Dies erzeugt eine andauernde Gefahr für die Zivilbevölkerung auch noch lange nach Ende des Konflikts. Die Gegenwart von explosiven Kriegsresten macht eine Rückkehr der Bevölkerung in ihre Stadtviertel auch dann noch gefährlich, wenn der Angriff vorüber und der Konflikt bereits beendet sind.

25 August 2017
Einsatzländer

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Nadia Ben Said
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