Der Einsatz von verbotenen Waffen befindet sich auf dem höchsten Stand seit 2010

Nicht nur in Syrien und in Jemen, sondern auch in Afghanistan, in Kolumbien, in Myanmar und in Tunesien: Der Einsatz von verbotenen Explosivwaffen hat von 2014 bis 2015 deutlich zugenommen, wobei dies fast überall auf Gleichgültigkeit stößt. Anlässlich des Internationalen Tages zur Aufklärung über die Minengefahr ruft Handicap International dazu auf, dass Streumunition nicht mehr verwendet und der Einsatz mit Nachdruck von der internationalen Gemeinschaft verurteilt wird.

Entminer in Senegal | © J-J. Bernard / Handicap International

Der 4. April ist der internationale Tag zur Aufklärung über die Gefahr von Minen und Streumunition. Obwohl beide Waffenarten durch internationales Recht verboten sind, wurden sie in den letzten Jahren regelmäßig eingesetzt. Die Mehrheit der Opfer beider Waffen stammt mit 79% aus der Zivilbevölkerung.

„Die Welt ist mit Konflikten von einer nie dagewesenen Gewalt konfrontiert, deren Opfer vorrangig die Zivilbevölkerung ist. Die hemmungslose Verwendung von Streumunition und der regelmäßige Einsatz von Minen zeugen angesichts des Umstands, dass diese beiden Waffenarten durch internationales Recht verboten sind, vom Ernst der Lage, warnt Petra Schroeter, Geschäftsführerin von Handicap International Schweiz. Wir dürfen uns der Barbarei nicht beugen und wir müssen die Staaten und die bewaffneten Gruppen unermüdlich daran erinnern, dass der Einsatz dieser Waffen verboten ist und dass das internationale Recht einzuhalten ist.“

Laut dem letzten Streubomben-Monitor (August 2015) wurde Streumunition seit dem Inkrafttreten des internationalen Verbotsvertrages 2010 noch nie so häufig von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren eingesetzt wie im Berichtszeitraum Juli 2014 bis Juli 2015: in Libyen, in Syrien, in Sudan, in der Ukraine und in Jemen (keiner dieser Staaten hat das Übereinkommen unterzeichnet). Nach Informationen der internationalen Kampagne für ein Verbot von Streumunition (CMC) wurde Streumunition seit dem vergangenen Sommer auch in Jemen und in Syrien mehrfach eingesetzt.

Der aktuelle Landminenmonitor (November 2015) unterstreicht den erheblichen und besorgniserregenden Anstieg des Einsatzes von Minen und Sprengkörpern durch nicht-staatliche bewaffnete Gruppen. Es sind 10 Länder betroffen: Afghanistan, Kolumbien, Irak, Libyen, Myanmar, Pakistan, Syrien, Tunesien, Ukraine und Jemen. Dies ist die höchste Anzahl betroffener Länder seit 2006.

„Die wiederholte Verwendung von Minen und Streumunition zeugt davon, dass dem Leben der Zivilbevölkerung überhaupt keine Bedeutung beigemessen wird und in einigen Fällen sogar davon, dass der Wille vorhanden ist, diese absichtlich anzugreifen. Streumunition tötet und verletzt Menschen bei einem Angriff. Sie hinterlässt auch Kampfmittelrückstände, die wie Minen wirken und noch lange nach einer Auseinandersetzung Opfer fordern können“, betont Emmanuel Sauvage der regionale Koordinator im Kampf gegen Minen in der Syrien-Krise.

Eines der besonders betroffenen Länder ist Jemen. Seit vielen Monaten ist das Land Schauplatz des massiven Einsatzes von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten durch alle Konfliktparteien. Insbesondere wurden Antipersonenminen und Streumunition regelmäßig eingesetzt. Die Organisation Human Rights Watch berichtet von insgesamt 15 Angriffen mit sechs verschiedenen Arten von Streumunition in mindestens 5 der 21 Provinzen des Landes (Amran, Hajja, Hodiada, Saada, Sanaa) seit März 2015.

Handicap International ruft die Staaten und die nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen deshalb auf, den Einsatz, den Verkauf und die Weitergabe von Minen und Streumunition unverzüglich einzustellen. Die internationale Gemeinschaft muss den Einsatz dieser Waffen einstimmig und systematisch verurteilen.

4 April 2016
Einsatzländer

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Nadia Ben Said
Verantwortliche Medien
(FR/DE/EN)

Tel : +41 22 710 93 36
n.ben-said@hi.org

HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Symbolische Einweihung des Denkmals für den Unbekannten Zivilisten: Eine Hommage an die Opfer bewaffneter Konflikte
@Carole Parodi / HI
Minen und andere Waffen Stop Bombing Civilians Veranstaltung

Symbolische Einweihung des Denkmals für den Unbekannten Zivilisten: Eine Hommage an die Opfer bewaffneter Konflikte

HI weiht am 14. November in Genf ein symbolisches Denkmal für den Unbekannten Zivilisten ein, um die verheerenden Auswirkungen bewaffneter Konflikte auf die Zivilbevölkerung anzuprangern. Eine künstlerische Tanzperformance schliesst die Zeremonie ab. Parallel dazu organisiert HI vom 11. bis 17. November eine Wanderausstellung in Genf. Diese lädt die Besucher ein, sich an die Nationalräte zu wenden, um die Schweizer Regierung aufzufordern, sich proaktiv an der Ausarbeitung einer internationalen politischen Erklärung zum besseren Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegen zu beteiligen.
 

Reha-Behandlungen für die Erdbebenopfer in Pakistan
© Muhammad Reza/ANADOLU AGENCY/AFP PHOTO
Nothlife

Reha-Behandlungen für die Erdbebenopfer in Pakistan

Beim Erdbeben der Stärke 5,2, das Pakistan am 24. September 2019 in der Provinz Punjab heimsuchte, wurden rund 40 Menschen getötet und fast 900 Menschen verletzt.

„Ihr habt mir geholfen, wieder stark zu werden”
© ISNA Agency / HI
Minen und andere Waffen Rehabilitation Stop Bombing Civilians

„Ihr habt mir geholfen, wieder stark zu werden”