Ein politisches Statement gegen die Bombardierung von Zivilisten

Minen und andere Waffen

Handicap International nimmt an der Konferenz der Mitgliedsstaaten teil, die die Ottawa-Konvention zum Verbot von Landminen unterzeichnet haben. Sie findet dieses Jahr vom 28. November bis zum 1. Dezember in Chile statt. Anne Héry, Leiterin der Kampagnenarbeit von Handicap International, spricht über die Bedeutung dieses Treffens, das wir wieder einmal als Gelegenheit nutzen, um die teilnehmenden Regierungen auf die wachsende Anzahl von zivilen Todesopfern durch explosive Waffen hinzuweisen.  

Anne Héry, Leiterin der Kampagnenarbeit bei Handicap International

Anne Héry, Leiterin der Kampagnenarbeit bei Handicap International, erklärt die Bedeutung des Staatentreffens für unsere Arbeit | © G. Lordet / Handicap International

Worin besteht diese Konferenz der Mitgliedsstaaten?

Anne Héry: Dies ist die 15. Konferenz der Mitgliedsstaaten, die den Ottawa-Vertrag über das Verbot von Anti-Personen-Minen[1] unterzeichnet haben. Die 162 Staaten, die unterzeichnet und ratifiziert haben, treffen sich jedes Jahr, um zu bewerten, inwieweit es Fortschritte bei der Anwendung der Konvention gibt, insbesondere bei der Minenräumung und der Zerstörung von Lagerbeständen an Minen. Es nehmen auch Mitglieder aus der Zivilgesellschaft teil, ebenso Staaten, die der Konvention noch nicht beigetreten sind, aber an den Diskussionen teilnehmen möchten.  

Worin bestehen die hauptsächlichen Verpflichtungen der Mitgliedsstaaten, die den Ottawa-Vertrag unterzeichnet haben?  

Die Mitgliedsstaaten versprechen, alle Anti-Personen-Minen in den verminten Ländern und Gebieten zu räumen, sowie alle Vorräte an diesen Waffen zu vernichten. Sie verpflichten sich ebenfalls, die Opfer zu unterstützen und jeglichen Handel mit Anti-Personen-Minen zu unterbinden sowie die Produktion dieser Waffen zu beenden, wenn diese in ihren Ländern hergestellt werden.

Welche Themen werden auf dieser Konferenz Priorität haben?

Ich denke, das Hauptaugenmerk wird darauf liegen, dass die Anzahl der zivilen Todesopfer besonders zugenommen hat und dass immer häufiger improvisierte (selbstgebaute) Explosivwaffen in den verschiedenen Krisengebieten zum Einsatz kommen. Ein anderer Punkt, der uns Sorgen macht, sind die Kürzungen in der Finanzierung der Anti-Minen-Arbeit in drei aufeinanderfolgenden Jahren: Wie können wir weiterhin Minenräumung finanzieren, wenn der Bedarf so enorm gross geworden ist? Wie sieht es mit der Zukunft der Opfer aus, die oft lebenslang Unterstützung benötigen und Hilfe bei ihrer Integration in die Zivilgesellschaft?

Warum ist dieses Treffen wichtig für Handicap International?

Es bietet für Handicap International eine gute Gelegenheit, in einen Dialog mit einzelnen Staaten zu treten und auch all die, die noch nicht unterzeichnet haben, dazu zu ermutigen, den Vertrag zu unterzeichnen. Wir organisieren Treffen mit Vertretern der Regierungen, um deren Bewusstsein für die Probleme zu stärken und wo nötig, sie zu unterstützen. Wir versuchen sie zu überzeugen, indem wir Daten und Informationen, die wir in unseren Einsatzgebieten gesammelt haben, nutzen. Darin besteht unsere hauptsächliche Lobbyarbeit.

Die Hilfe für die Opfer war ja schon immer ein vorrangiges Thema für Handicap International: Wird aktuell eine spezielle Stellung dazu eingenommen?

Ja, denn die Konferenz bietet Gelegenheit, neue Leitlinien für die Opferhilfe vorzustellen, die von einigen Staaten mit der technischen Unterstützung von Handicap International entwickelt wurden. Diese Leitlinien sind ein starkes Instrument, um Staaten zu ermutigen, den Zugang zu allen Hilfeleistungen zu ermöglichen, sowohl für die Opfer von Landminen und anderen explosiven Überresten des Krieges als auch für Menschen mit Behinderung. Das sehr weit gefasste Spektrum reicht von Rehabilitationsmaßnahmen bis hin zu Richtlinien für die soziale Integration. Wir haben festgestellt, dass Menschen mit Behinderung, einschließlich Überlebende von Minenunfällen, oft ausgeschlossen sind.

 

[1] Der Ottawa-Vertrag verbietet den Erwerb, die Herstellung, die Lagerung und die Verwendung von Anti-Personen-Minen. Der Vertrag wurde am 3. Dezember 1997 zur Unterzeichnung eröffnet und trat am 1. März 1999 in Kraft. Derzeit sind 162 Staaten Mitglieder des Übereinkommens. 1 Staat hat unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert.

24 November 2016
Einsatzländer

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Nadia Ben Said
Verantwortliche Medien
(FR/DE/EN)

Tel : +41 22 710 93 36
n.ben-said@hi.org

HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Entminung im Norden Libanons
©Oriane van den Broeck / HI
Minen und andere Waffen

Entminung im Norden Libanons

Seit 2011 entmint Handicap International Gebiete im Norden Libanons, deren Verseuchung noch aus Zeiten des Bürgerkriegs von 1975 bis 1990 stammt. Die Bevölkerung soll nun endlich von der lauernden Gefahr befreit werden. Zwischen 2017 und 2018 haben die Minenräumteams 4'500 explosive Überreste zerstört. Insgesamt konnten schon 700'000 Quadratmeter Fläche entmint werden, das entspricht etwa 100 Fussballfeldern.

Entminungsteams von HI zurück in der Casamance
© HI
Minen und andere Waffen

Entminungsteams von HI zurück in der Casamance

Zahlreiche explosive Kriegsreste bedrohen das Leben der Bevölkerung in der Region Casamance im Süden Senegals. Zudem halten sie seit Jahren viele Binnenflüchtlinge davon ab, in die Region zurückzukehren.

 

4. April 2019: UN-Tag der Aufklärung über die Minengefahr
© J. M. Vargas/HI
Minen und andere Waffen Veranstaltung

4. April 2019: UN-Tag der Aufklärung über die Minengefahr

Anlässlich des Internationalen Tags der Aufklärung über die Minengefahr äussert die gemeinnützige NGO HI Besorgnis darüber, dass es durch den verbreiteten Einsatz von Explosivwaffen in aktuellen Konflikten und dem zunehmenden Einsatz von improvisierten Minen zu erneuten Kontaminationen gekommen ist.