Gewalt der Bomben zwingt Millionen Syrer zur Flucht | Handicap International CH
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Gewalt der Bomben zwingt Millionen Syrer zur Flucht

Stop Bombing Civilians
Syrien

Am 28. September 2016 wird der Bericht von Handicap International “Qasef: Flucht vor den Bomben“ veröffentlicht. Er identifiziert den massiven Einsatz von explosiven Waffen in bewohnten Gebieten als einen der vorrangigen Gründe für die Vertreibung der Menschen aus Syrien. Unterschiedslose Bombardierungen sowie Beschuss sind in diesem Konflikt zur Regel geworden und haben Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen. Diese Praxis hat eine der schlimmsten humanitären Krisen seit dem Zweiten Weltkrieg hervorgerufen. Handicap International appelliert an die Konfliktpartien, den Einsatz von explosiven Waffen in bevölkerten Gebieten einzustellen. Ebenso rufen wir die internationale Gemeinschaft dazu auf, diese Praxis auf schärfste zu verurteilen und Massnahmen zu ergreifen, um ihr ein Ende zu setzen. 

Za'atari Camp

Za'atari Camp | (c) Handicap International

Auf Grundlage der Berichte von syrischen Geflüchteten und Experteninterviews stellt der Bericht „Qasef: Flucht vor den Bomben“ fest, dass der massive Einsatz von explosiven Waffen in bewohnten Gebieten einer der vorrangingen Gründe für die Massenvertreibung von Syrern ist. Mehr als 10,9 Menschen sind betroffen, was über der Hälfte der Bevölkerung des Landes entspricht. Laut den Zeugenberichten, die Handicap International sammelte, machen syrische Geflüchtete mehrfache Vertreibungen durch. Sie werden bis zu 25 Mal durch aufeinanderfolgende Angriffe vertrieben, bevor sie einen sicheren Zufluchtsort finden. Wiederholte Vertreibung verursacht extreme Armut und schweren psychischen Stress.

Laut dem Bericht flieht die syrische Bevölkerung vorranging, um gewaltsamen Angriffen mit explosiven Waffen zu entgehen. Die grosse Mehrheit der Angriffe wird unterschiedslos ausgeführt. Manche zielen absichtlich auf die Zivilbevölkerung ab. Der Einsatz explosiver Waffen in bevölkerten Gebieten ist der Hauptgrund für zivile Todesfälle in Syrien. Gemäss einer Studie, die vom Integrierten Regionalen Informationsnetzwerk (IRIN) veröffentlicht und in unserem Bericht zitiert wurde, war der Einsatz von Explosivwaffen im Jahr 2012 für 48 % der zivilen Unfälle verantwortlich und stieg im Jahr 2016 auf 83 % an. Manche Waffen wie etwa Fassbomben und „Elefantenraketen“ sind von Natur aus unterschiedslos, was bedeutet, dass ihre fehlende Präzisionsfähigkeit eine hohe Anzahl an zivilen Opfern fordert. Der Bericht hebt auch die Schwere der Verletzungen hervor, die durch diese Angriffe verursacht werden. 47 % der durch Explosivwaffen verletzten Menschen haben komplexe Frakturen.

Der Bericht erklärt, dass auch Syrer, die nicht direkt von den Angriffen betroffen sind, zur Flucht gezwungen werden, um ihr Leben wiederaufzubauen: Die Bombardierungen zerstören die wichtigste Infrastruktur (Wohnhäuser, Krankenhäuser, Wasser- und Elektrizitätsnetze etc.) sowie das soziale und wirtschaftliche Leben.

„Der umfangreiche Einsatz von explosiven Waffen in bewohnten Gebieten während des syrischen Konflikts ist eine entscheidende Ursache für die schlimmsten humanitäre Katastrophe der letzten Jahrzehnte“, sagt Petra Schroeter, Geschäftsführerin von Handicap International Schweiz. „In Verbindung mit der mangelnden medizinischen Versorgung und psychologischen Unterstützung in Syrien hat diese Praxis eine verheerende Wirkung auf das Leben der Menschen. Mit über 1,5 Millionen Verletzten in Syrien wird eine ganze Generation für viele Jahre unter den Spätfolgen leiden müssen.“ 

Im September 2015 startete Handicap International eine internationale Kampagne gegen Angriffe auf die zivile Bevölkerung. Wir rufen Staaten dazu auf, eine politische Erklärung zu unterzeichnen und so dem Einsatz von explosiven Waffen in Wohngebieten ein Ende zu setzen und das Leid der Zivilbevölkerung zu erkennen. Zu diesem Zwecke haben wir gemeinsam mit anderen Organisationen das Netzwerk INEW (International Network on Explosive Weapons) gegründet.

28 September 2016
Einsatzländer

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Nadia Ben Said
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