Humanitäre Organisationen verurteilen die Blockade des Jemens

Jemen

18 Hilfsorganisationen reagieren mit großer Besorgnis auf die vorübergehende Schließung der Luft-, See- und Landwege Jemens und damit die komplette Abriegelung des Landes durch die von Saudi-Arabien geführte Koalition. Die Organisationen fordern die Wiederaufnahme von humanitärer Hilfe und Klarheit über die geplante Dauer der Schließung, damit die erforderliche Versorgung bereitgestellt werden kann.

© Camille Lepage / Handicap International

Am Montag hat die Koalition in einem Statement die temporäre Schließung des kompletten jemenitischen Gebietes angeordnet. Damit sollen Schwachstellen im Kontrollprozess behoben werden, während das Ein- und Ausführen von humanitären Lieferungen aufrechterhalten werden soll. Es wurde keine Auskunft darüber gegeben, wie lange die Schließung andauern soll oder wie die Einfuhr von humanitären Gütern sichergestellt wird.

Angesichts der akuten Nahrungsmittelknappheit und Choleraepidemie kann jede Verzögerung für den Zugang von Hilfsorganisationen das Leben von Frauen, Männern, Mädchen und Jungen im Jemen kosten.

Johan Mooij, CARE Projektkoordinator, sagt:

„Wir schätzen die Zusicherungen der Koalition, dass der Zugang zum Jemen für humanitäre Mittel und Personal weiterhin geöffnet bleibt. Jedoch wurde es Hilfsschiffen in Hodeida nicht erlaubt, anzulegen. Seit dem 6. November wurde drei US-amerikanischen Flugzeugen zur humanitären Luftunterstützung die Genehmigung verweigert. Wir sind darüber sehr besorgt, weil unsere Möglichkeiten lebensrettende Hilfe aufrechtzuerhalten dadurch eingeschränkt sind. Der Jemen steht kurz vor einer Hungersnot, Cholera grassiert und die Versorgung durch öffentliche Dienste verschlechtert sich weiter.“

Innerhalb eines Tages sind die Preise für Treibstoff in einigen Gebieten um mehr als 60 Prozent gestiegen, weil die Menschen versuchen, auf Vorrat zu kaufen. Dabei brachen die öffentlichen Verkehrsmittel zusammen. Durch die Blockade aller See- und Landwege stockt der Nachschub an dringend benötigten lebensrettenden Medikamenten, was womöglich hunderttausende Menschen betreffen kann.

Bereits 1.200 Tonnen Lebensmittel der Vereinten Nationen und medizinische Versorgungsgüter haben sich auf dem Weg von Djibouti in den Jemen verzögert. Jede weitere Kürzung der Importe bzw. der Anstieg der Lebensmittelpreise verschärfen die massive Hungerkrise und die weitverbreitete Mangelernährung von Kindern.

Tamer Kirolos, Save the Children Projektkoordinator, erklärt:

„Lebensmittel und medizinische Versorgung, die in den Jemen kommen, halten Millionen Kinder am Leben. Es war bisher bereits schwierig zu helfen – wir sind seit Jahren gezwungen, auf langsamere und längere Routen auszuweichen. Wenn der Zugang zum Jemen komplett dicht ist, selbst wenn es nur für eine Woche ist, kommt es zur Katastrophe. In diesem Alptraumszenario werden mit hoher Wahrscheinlichkeit Kinder sterben. Es ist entscheidend, dass der freie und unmittelbare Zugang zu humanitärer Hilfe und lebenswichtiger Versorgung wie Essen, Medikamente und Treibstoff genehmigt wird und alle Blockaden aufgehoben werden.“

Wenn von Seiten der Koalition weiterhin keine Klarheit geschaffen wird, bleiben für Hilfsorganisationen die beunruhigenden Fragen über den Umfang und die Dauer der Maßnahmen und deren erwartete Folgen für die Zivilbevölkerung bestehen. Wir fürchten, dass so die katastrophale humanitäre und wirtschaftliche Situation wesentlich schlimmer wird.

Außerdem kann der humanitäre Sektor die Bedürfnisse der Zivilbevölkerung nicht alleine abdecken, da wir einen funktionierenden gewerblichen Sektor, der die jemenitische Bevölkerung mit den notwendigen Gütern versorgen sollte, nicht ersetzen können

Shane Stevenson, Oxfam Projektkoordinator, fordert:

„Die Koalition muss sofort Klarheit darüber schaffen, wie sichergestellt wird, dass Hilfslieferungen und der Zugang humanitärer Akteure nicht von den getroffenen Maßnahmen betroffen sind. Es ist unerlässlich, dass die Hilfe inmitten der weltgrößten humanitären Krise, mit 21 Millionen hilfsbedürftigen Menschen, nicht weiter behindert wird.“

Folgende Hilfsorganisationen haben unterschrieben:

  1. ACTED
  2. Action Contre la Faim
  3. ADRA
  4. CARE
  5. Danish Refugee Council
  6. Handicap International
  7. Human Appeal
  8. International Rescue Commitee
  9. Islamic Relief
  10. Médecins du Monde
  11. Norwegian Refugee Council
  12. Oxfam
  13. Première Urgence – Aide Médicale Internationale
  14. Relief International
  15. Saferworld
  16. Save the Children
  17. War Child
  18. ZOA
9 November 2017
Einsatzländer

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Nadia Ben Said
Verantwortliche Medien
(FR/DE/EN)

Tel : +41 22 710 93 36
n.ben-said@hi.org

HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

6 Jahre Krieg im Jemen: das Land durch endlosen Krieg verwüstet
© ISNA agency / HI
Minen und andere Waffen Nothlife Rehabilitation Stop Bombing Civilians

6 Jahre Krieg im Jemen: das Land durch endlosen Krieg verwüstet

Der seit 6 Jahren andauernde Krieg im Jemen hat die grösste humanitäre Krise der Welt verursacht. Das Ausmass der Zerstörung der Infrastruktur durch massiven Bomben- und Granatenbeschuss in bewohnten Gebieten sowie die Kontamination durch Sprengkörper sind enorme Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Seit 2015 vor Ort, fordert Handicap International die Staaten auf, Massnahmen gegen die verheerenden Langzeitfolgen des Einsatzes von Sprengstoffwaffen in bewohnten Gebieten zu ergreifen. Sie müssen den Entwurf des internationalen Abkommens unterstützen, der derzeit verhandelt wird.

Abdullah hatte Angst vor den Ärzt*innen
© ISNA Agency / HI
Minen und andere Waffen Rehabilitation

Abdullah hatte Angst vor den Ärzt*innen

Abdullah ist 12 Jahre alt. Als er draussen mit Freunden draussen spielte, wurde er bei einem Luftangriff im Dezember 2019 schwer verletzt und musste amputiert werden. Wir halfen ihm.

Jemen: Hala findet allmählich zurück ins Leben
© ISNA Agency / HI
Rehabilitation

Jemen: Hala findet allmählich zurück ins Leben

Hala war 4 Jahre alt, als sie bei einem Luftangriff im Jemen schwer verletzt wurde. Sie ist eines von vielen Opfern der Bombardierungen, die ihr Land verwüsten. Hala spielte gerade vor ihrem Haus, als ein Flugzeug eine Granate auf ihr Quartier abwarf. Dabei hat sie ein Bein verloren.