Menschen mit Behinderungen: die Benachteiligten der Covid-19-Epidemie

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Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember machen wir auf die Schwierigkeiten beim Zugang zu Pflegeleistungen, die Gefahr der Isolation und Verarmung aufmerksam, unter denen Menschen mit Behinderungen angesichts der Covid-19-Epidemie leiden. Wir fordern, dass ihre besonderen Bedürfnisse berücksichtigt werden.

"Disability is not inability"

"Disability is not inability" | © Thomas/HI

Zugang zu Informationen und Einhaltung der Schutzmassnahmen sind erschwert 

Menschen mit Behinderungen sind oft diejenigen, die bei Sensibilisierungskampagnen gegen Covid-19 aussen vor bleiben. Flyer, die nicht für sehbehinderte Menschen angepasst sind, wenig frequentierte oder für Behinderte nicht zugängliche Verteilungsstellen, ungeeignete Botschaften... Es gibt viele Barrieren beim Zugang zu Informationen. In Äthiopien erklärten 40% der Erwachsenen und 45% der Kinder mit Behinderungen, keinen Zugang zu verständlichen öffentlichen Informationen über Covid-19 zu haben.

Darüber hinaus ist die Einhaltung von Schutzmassnahmen teilweise eine grosse Herausforderung für Menschen mit Behinderungen. Zum Beispiel muss ein Rollstuhl so oft desinfiziert werden, wie man sich die Hände wäscht. Abstand halten ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, für Menschen, die auf physischen Kontakt mit ihrer Umgebung angewiesen sind (an einer Wand stehen, wenn man Mobilitätsprobleme hat, Gegenstände berühren, wenn man sehbehindert ist, usw.) oder für diejenigen, die ihnen helfen. Die Massnahmen, die ergriffen werden, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, ermöglichen es den am stärksten gefährdeten und marginalisierten Menschen nicht immer, sich wirksam zu schützen.

Fehlender Zugang zu medizinischer Versorgung und erhöhtes Risiko der Isolation

Menschen mit Behinderungen sind angesichts dieser Gesundheitskrise besonders gefährdet: Wir machen daher darauf aufmerksam, dass die Covid-19-Pandemie die Morbiditäts- und Mortalitätsraten der gefährdeten Menschen erhöht. Die Kombination von Faktoren wie Behinderung, Geschlecht und Alter führt häufig zu vielfältigen Formen der Einschränkung des Zugangs zu Dienstleistungen.

Einige Schwierigkeiten beim Zugang zu Dienstleistungen haben sich für Menschen mit Behinderungen während der Pandemie zusätzlich verschärft. Überfordertes medizinisches Personal kann die Versorgung einer Person mit einer Behinderung verweigern, mit der Begründung, dass diese in einer spezialisierten Institution versorgt werden muss. Aufgrund der Epidemie sind Unterstützungsdienste und -netzwerke (einschliesslich persönlicher Assistenten und Betreuer) jedoch häufig nicht verfügbar oder unterbrochen. Tatsächlich dürfen grundlegende Dienstleistungen teilweise nicht mehr erbracht werden. 75 Prozent der Menschen mit Behinderungen  -geben an, dass sie in Krisensituationen keinen angemessenen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie Wasser, Unterkunft, Nahrung oder Gesundheit haben.

In wirtschaftlicher Hinsicht sind Menschen mit Behinderungen, die unter normalen Umständen eher von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen sind und ein niedriges Bildungsniveau haben, von der wirtschaftlichen Krise, die eine Epidemie mit sich bringt, stärker betroffen. Die meisten von ihnen haben keinerlei Sozialversicherung. In Haiti gaben 65 Prozent der Befragten in einer unserer Umfragen an, dass die wirtschaftliche Unterstützung, die sie normalerweise erhalten, seit der Ausrufung des Gesundheitsnotstands schwerwiegend beeinträchtigt ist.

Unsere Antwort

Wir haben daher unsere Informations- und Hilfsprogramme an Covid-19 angepasst. In vielen Ländern haben wir Kampagnen gestartet, die verschiedene Kanäle und Arten von Botschaften kombinieren, um möglichst vielen Menschen zugänglich zu sein (Radio, Fernsehen, Strasseninformationen,...). In Nepal wurden beispielsweise im Fernsehen Sensibilisierungskampagnen in Gebärdensprache durchgeführt, um für gehörlose Menschen zugänglich zu sein.

Wir haben auch unsere Rehabilitationsprogramme, die für Menschen mit Behinderungen unerlässlich sind, angepasst, um die Probleme der Isolation und des mangelnden Zugangs zu medizinischer Versorgung zu mildern. So wurde beispielsweise eine virtuelle Rehabilitationsplattform eingerichtet, um den Begünstigten in Ruanda Physiotherapie-Sitzungen anzubieten. In ähnlicher Weise wurden 1‘000 Online-Rehabilitationssitzungen für Patienten in Nepal organisiert.

Um die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen für Menschen mit Behinderungen zu lindern, haben wir bisher an 360'000 Menschen weltweit Hilfe für die Versorgung der Grundbedürfnisse (einschliesslich Nahrungsmittel) verteilt.

3 Dezember 2020
Einsatzländer

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Nadia Ben Said
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