Mossul: Handicap International weitet den Nothilfeeinsatz aus

Nothlife
Irak

Am 17. Oktober 2016 begannen die irakischen und kurdischen Streitkräfte eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt Mossul im Irak. 200'000 Menschen wurden seither vertrieben, von denen etwa 50'000 in die Gebiete zurückgekehrt sind, die jetzt unter der Kontrolle der Armee stehen. Die Teams von Handicap International helfen den Menschen an den Fluchtorten und in den Krankenhäusern, in denen Verwundete versorgt werden. Wir warten darauf, dass wir sehr bald auch innerhalb Mossuls Nothilfe leisten können. Fanny Mraz, Leiterin unserer Mission im Irak, hat uns ein Update zur Situation gegeben.

Zwei kleine Kinder spielen am Rande einer Wasserrinne im Zeltlager Khazer

Kinder aus Familien, die vor den Kämpfen in Mossul fliehen mussten, harren zum Beispiel im Camp Kahzer aus. | © E. Fourt / Handicap International

In den letzten vier Monaten haben die Teams von Handicap International schon enorme Unterstützung für die vertriebenen Menschen aus Mossul und Umgebung geleistet. Dutzende Fachkräfte für Physiotherapie, Sozialarbeit, Psychologie, psychosoziale Unterstützung und für die Aufklärung über die Gefahren von explosiven Kriegsresten besuchen tagtäglich die Camps und Gemeinden, in denen die vertriebenen Menschen untergebracht sind.  In den letzten Wochen haben wir unsere Nothilfe auch dahingehend erweitert, dass wir die postoperative Versorgung für Verwundete des Konflikts übernehmen. "Wir arbeiten unter sich schnell verändernden Umständen; dies wirkt sich direkt auf unseren Nothilfeeinsatz aus", erklärt Fanny Mraz, Leiterin der Mission von Handicap International im Irak.

"Immer mehr Menschen kehren in den Osten von Mossul zurück, zusätzlich zu den mehreren Hunderttausenden, die nicht durch die Kämpfe vertrieben wurden. Doch täglich treffen weiterhin Angriffe auf diesen Teil der Stadt. Die Kämpfe werden wahrscheinlich in nächster Zeit im Westen noch intensiver werden, wodurch sich die Anzahl der Verwundeten erhöhen könnte." Da die Kämpfe Mossul weiterhin verwüsten, können die Menschen nicht mehr angemessen versorgt werden:

„Die Krankenhäuser sind überfüllt, und die Verwundeten können nur wenige Tage bleiben. Derzeit kann niemand Leistungen in der physischen Rehabilitation anbieten, um schweren Komplikationen nach Operationen vorzubeugen“, sagt Fanny.

Die meisten Unfallopfer müssen die Krankenhäuser innerhalb von zwei oder drei Tagen verlassen, ohne die postoperative Versorgung zu erhalten, die sie brauchen.

"Gesundheitsversorgung, die Nachsorge für die Verwundeten einschliesst, gibt es aktuell nur in den umliegenden Gebieten, sollte aber bald wieder in Mossul selbst zum Einsatz kommen. Trotz der instabilen Sicherheitslage und den Problemen beim Zugang zur Stadt ist es lebenswichtig, in solch dicht bevölkerten Gegenden diese Versorgung anzubieten. Einer unserer Physiotherapeuten arbeitet bereits täglich im Krankenhaus von Qayyarah, wo viele Verletzte aus Mossul behandelt werden. Er hilft dort Menschen mit eingeschränkter Mobilität, bietet Rehabilitationsübungen an und verteilt Ausrüstungen wie Krücken, Rollstühle usw. Unsere Teams werden in den kommenden Wochen aufgestockt werden, damit sie auch in anderen Krankenhäusern unterstützen können. Fachleute aus der Psychologie und psychosozialen Arbeit werden ebenso vor Ort sein, um die Patientinnen und Patienten und ihre Familien während des Rehabilitationsprozesses zu unterstützen." 

Sobald Gebiete von der Armee zurückerobert sind, versuchen Familien, die geflohen sind, zurückzukehren. Deswegen wird Handicap International auch die Aufklärung über die Gefahren von explosiven Waffen ausweiten, um die Rückkehrenden vor den Risiken zu warnen. "Wir wollen die Menschen sensibilisieren, bevor sie in ihre Häuser zurückgehen. Denn dort riskieren sie immer noch, verletzt zu werden – durch explosive Kriegsreste und improvisierte Sprengsätze. Ein bedeutender Teil unserer Arbeit ist es, die Menschen durch diese Aufklärungsarbeit vorbeugend zu schützen", erklärt Fanny Mraz.

Die Notlage in Mossul:

Die Kämpfe zwischen den bewaffneten Kräften und den Regierungstruppen im Irak haben in den letzten Jahren die Vertreibung von mehr als vier Millionen Menschen verursacht. Schätzungen zufolge benötigen bereits zehn Millionen Menschen im Irak humanitäre Hilfe. Durch die Offensive von Mossul sehen sich die internationalen Organisationen mit einer nie dagewesenen Herausforderung konfrontiert. Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte dieser militärische Einsatz im schlimmsten Fall die die Vertreibung von einer Million Menschen und damit die größte humanitäre Krise des Jahres 2017 auslösen. Über 200'000 Menschen sind seit Oktober letzten Jahres vor den Kämpfen geflohen.

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