Ruanda 25 Jahre nach dem Völkermord: Viele Opfer bis heute traumatisiert

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Ab Sonntag, 7. April, gedenkt Ruanda der über 800'000 Opfer des Völkermords. Selbst 25 Jahre nach den Taten lastet dieser Genozid immer noch schwer auf der ruandischen Bevölkerung. Ein Drittel der Bevölkerung leidet weiterhin unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Direkt nach dem Völkermord hat HI mit Hilfsprojekten begonnen und unterstützt seitdem psychologisch die Betroffenen von Gewalt. 

Seit 1996 hat HI über 25'000 Opfer von Gewalt, einschliesslich Opfer des Völkermords, psychologisch unterstützt und mehr als 46'000 Therapiestunden abgehalten.

Seit 1996 hat HI über 25'000 Opfer von Gewalt, einschliesslich Opfer des Völkermords, psychologisch unterstützt und mehr als 46'000 Therapiestunden abgehalten. | © Giles Duley/HI

Innerhalb von 100 Tagen wurden ab April 1994 in Ruanda über 800‘000 Menschen – Männer, Frauen und Kinder – getötet. Viele weitere wurden geschlagen und gefoltert. Diese sinnlose Gewalt hinterliess tiefe Wunden, die auch 25 Jahre danach noch nicht verheilt sind. Rund ein Drittel der Überlebenden des Völkermords leidet seither unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung ist von wiederkehrenden Depressionen betroffen. 

Unterstützen während der Gedenkmonate

„Im Alltag unterdrücken die Betroffenen oft ihre Traumatisierung durch den Völkermord. Doch während der Phase der Gedenkmonate kommen die Erinnerungen, Gefühle und Emotionen wieder an die Oberfläche. Die Opfer werden mit ihrem eigenen Leid konfrontiert. Die Menschen sprechen darüber und das hat grosse Auswirkungen. Es kann passieren, dass sie Panikattacken oder den Verlust von geliebten Menschen noch einmal durchleben. Die Nachwirkungen sind bis heute spürbar. Es ist essentiell, dass sich die Menschen in dieser Zeit des Leids gegenseitig unterstützen. Es ist sehr befreiend, Gefühle zu teilen.“ 

Chantal Umurungi, Koordinatorin der Projekte für psychische Gesundheit von HI in Ruanda

Während dieser dreimonatigen Gedenkzeit wird HI in Zusammenarbeit mit der nationalen Koordinationsstelle für psychische Gesundheit (Biomedizinisches Zentrum Ruandas) Fachkräfte für psychische Gesundheit, z.B. Psychologen, mobilisieren. Ziel ist es, sie auf Einsätze von Trauma-Krisenmanagement vorzubereiten und die Opfer des Genozids auf den Gedenkschauplätzen zu begleiten.

Teufelskreis der Gewalt durchbrechen

HI kümmert sich ausserdem um die indirekten Folgen des Genozids:

„Die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat auch weitere Probleme verstärkt, zum Beispiel Drogenmissbrauch, Gewalt, riskantes Sexualverhalten und Ehekonflikte. Diese lassen Familien auch verarmen und schwächen die sozialen Bindungen. HI will diesen Teufelskreis aus Gewalt und psychischen Problemen durchbrechen, indem wir auch hier mit Gesprächsgruppen arbeiten. Dadurch können Menschen ihre Gefühle mitteilen und neue Brücken bauen.“

HI arbeitet vor allem mit dem Ansatz der gemeindebasierten Therapie: Die Organisation bietet Gesprächsgruppen an, in denen sich Menschen frei äussern und über ihre Traumatisierung sprechen können. Die Gespräche werden von Psychologen oder Gemeindefreiwilligen begleitet. In Selbsthilfegruppen finden sie zudem die Kraft, gemeinsame Geschäftsideen umzusetzen, wie zum Beispiel eine Tierzucht oder kleine Läden aufzubauen. Dies stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Eigenständigkeit. 

HI in Ruanda

HI begann seine Intervention nach dem Völkermord von Tutsi 1994 und führte 1996 sein erstes Projekt zur psychischen Gesundheit durch und betreute Kinder, die ihre Eltern verloren hatten. Seit 1996 hat HI über 25'000 Opfer von Gewalt, einschliesslich Opfer des Völkermords, psychologisch unterstützt und mehr als 46'000 Therapiestunden abgehalten. Allein im Jahr 2018 nahmen mehr als 5'800 Opfer an psychosozialen Aktivitäten von HI teil, die ihnen helfen, die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. 

 

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