Streubomben Monitor 2017: Wieder mehr Opfer trotz Erfolgen

 

Immer mehr Staaten befolgen das internationale Verbot von Streumunition. Dennoch ist die Zahl der Opfer durch den Einsatz dieser menschenverachtenden Waffen, besonders in Syrien, gestiegen. Dies geht aus dem Streubomben Monitor 2017 hervor, der morgen von der von Handicap International mitgegründeten Cluster Munition Coalition (CMC) bei den Vereinten Nationen in Genf veröffentlicht wurde. Zwischen 2015 und 2016 hat sich die Zahl der Opfer mehr als verdoppelt. Fast alle stammen aus der Zivilbevölkerung.

Vom 4. bis 6. September findet das Treffen der Vertragsstaaten der Oslo-Konvention zum Verbot von Streumunition in Genf statt. Handicap International ruft zu diesem Anlass alle Staaten auf, das internationale Recht anzuwenden und Druck auf kriegsführende Staaten auszuüben, damit sie den Einsatz dieser barbarischen Waffe stoppen.

Abdel, Opfer einer Bombardierung in Mosul | © E. Fourt / Handicap International

Seit der Veröffentlichung des letzten Streubomben Monitor vor einem Jahr hat sich die Anzahl der registrierten Opfer dieser Waffen auf 971 (419 in 2015) mehr als verdoppelt, wobei die tatsächliche Zahl sicherlich höher liegt – und fast alle, zu 98%, stammten aus der Zivilbevölkerung. Besonders schwer leiden die Menschen in Syrien. Dort wurden 860 Menschen (89% der Opfer) durch Streumunition getötet oder verletzt, die meisten während der Angriffe. Über 100 Menschen weltweit fielen Blindgängern dieser Waffen zum Opfer, oft noch lange nach einem Einsatz. Die 2016 registrierten 51 Unfälle in Laos sind z.B. alle auf die ca. 50 Jahre zurückliegenden Angriffe zurückzuführen.

Insgesamt 6 Staaten und ein Territorium waren seit Januar 2015 vom Einsatz von Streumunition betroffen: Neben Syrien und dem Jemen wurden Streubomben auch in Bergkarabach, ein umkämpftes Gebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan sowie in Somalia im Jahr 2016, der Ukraine, im Sudan und in Libyen Anfang 2015 eingesetzt. Darüber hinaus kam Streumunition nach verlässlichen, aber noch nicht bestätigten Informationsquellen jedoch auch in Libyen und im Irak im Jahr 2016 und Anfang 2017 zum Einsatz.

 

„Handicap International ruft alle Konfliktstaaten dazu auf, den Einsatz von Streumunition sofort zu stoppen. Wir fordern die Staaten ebenfalls dazu auf, Druck auf die Länder auszuüben, die noch immer Streubomben einsetzen. Der Einsatz dieser Waffen muss streng verurteilt werden“, erklärt Petra Schroeter, Geschäftsführerin von Handicap International Schweiz.

 

Während die grosse Mehrheit neuer Opfer (857) bei Streubomben-Attacken getötet oder verletzt wurden, fielen 114 Menschen im Jahr 2016 den Resten von Streumunition zum Opfer – und das manchmal auch lange nach Ende eines Konflikts. Bis zu 40 Prozent der Submunition explodiert nicht beim Aufprall und so werden Streubomben genauso gefährlich wie Landminen, die ganze Gebiete unbewohnbar machen. Die Hälfte der verzeichneten Unfälle im Jahr 2016 gab es in Laos, das am meisten mit Streumunition verseuchte Land der Erde. Insgesamt 26 Staaten und 3 Territorien sind weltweit mit den Resten von Streubomben verseucht.

 

 „Handicap International fordert alle Staaten auf, Programme zur Unterstützung von Streubomben-Opfern zu fördern. Die durch Streumunition herbeigeführten Verletzungen zählen zu den am schwierigsten zu behandelnden Schäden. Die Explosion zerfetzt eine oder mehrere Gliedmassen und schleudert Splitter in den Körper. Die verletzten Personen müssen häufig amputiert werden. Sie sind der Gefahr einer permanenten Behinderung ausgesetzt, mit all ihren sozialen, ökonomischen und psychologischen Konsequenzen. Ohne Rehabilitationsmassnahmen, ohne Unterstützung für ihre soziale, wirtschaftliche oder schulische Wiedereingliederung, ohne psychologische Hilfe etc. begegnen die Opfer und ihre Familien grossen Schwierigkeiten, ihren Platz in der Gesellschaft wiederzufinden“, betont Petra Schroeter.

 

Die Oslo-Konvention zählt heute 102 Vertragsstaaten, 17 weitere haben bereits unterzeichnet. Und die Konvention hat seit dem Inkrafttreten 2010 einiges bewirkt: 28 Vertragsstaaten haben ihre Bestände vernichtet. Das bedeutet ein Grossteil der Lagerbestände, die von Vertragsstaaten deklariert wurden: insgesamt etwa 1,4 Millionen Streumunitionen, die mehr als 175 Millionen Submunitionen enthielten.

 

2016, haben die Schweiz, Spanien und die Slowakei 56.171 Streubomben und 2,8 Millionen Submunitionen vernichtet. 2016 wurden auf 88 km² von Streubomben verseuchtem Land 140.000 Submunitionen gefunden und zerstört, mehr als im Vorjahr.

 

 

 

 

Streubomben sind Waffen, die aus einem Behälter bestehen, der mehrere hundert Mini-Bomben umschliesst, die sogenannte Submunition. Sie sind für den Abwurf über riesigen Flächen konzipiert und treffen so unausweichlich auch bewohnte Gebiete. Bis zu 40 % der Submunition explodiert nicht beim Aufprall. Wie Landminen können sie durch den kleinsten Kontakt ausgelöst werden und töten und verstümmeln, auch noch nach Ende des Konflikts. Da sie keine Unterscheidung zwischen Personen, zivilen Gütern oder militärischen Zielen machen, verstossen Streubomben gegen die Regeln des humanitären Völkerrechts.

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