1 Million Geflüchtete in Idlib – die schlimmste humanitäre Krise in neun Jahren Syrien-Konflikt: Appell von HI an schweizer Politiker und Bürger

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Fast eine Million Menschen - hauptsächlich Frauen und Kinder – sind vor den Kämpfen und Bombenangriffen in Idlib, Syrien, geflohen. Deshalb fordert Handicap International (HI) alle Staaten auf, sich vollständig in den aktuellen internationalen diplomatischen Prozess einzubringen, der die Zivilbevölkerung in bewohnten Gebieten besser vor Explosivwaffen schützen soll.

Syrische Zivilisten in einem Flüchtlingslager im Libanon

Syrische Zivilisten in einem Flüchtlingslager im Libanon | (c) E. Fourt

Die Bombardierung der Zivilbevölkerung ist ein Verbrechen

Seit Dezember 2019 wurden fast eine Million Menschen durch die eskalierende Gewalt in Idlib, Nordwestsyrien, vertrieben. Dies ist die grösste Fluchtbewegung in den neun Jahren des Konflikts. Viele Familien sitzen in überfüllten Lagern an der Grenze zur Türkei fest. 

Seit Dezember 2011 wurden in Syrien intensiv und wiederholt Explosivwaffen in bewohnten Gebieten eingesetzt. Dabei wurden zivile Einrichtungen getroffen, darunter Flüchtlingscamps, Schulen, Gesundheitszentren und Krankenhäuser. Action on Armed Violence (AOAV) berichtet, dass zwischen 2011 und 2018 in Syrien fast 80'000 Menschen durch Explosivwaffen getötet oder verletzt wurden, 87 Prozent davon Zivilisten. Eines der grössten Hindernisse für die mögliche Rückkehr von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen ist die Verseuchung mit explosiven Kriegsresten. Nach Angaben des United Nations Mine Action Service (UNMAS) sind 11,5 Millionen Menschen in Syrien der Gefahr von explosiven Kriegsresten ausgesetzt.

Die massiven Bombenangriffe in Wohngebieten haben schreckliche humanitäre Folgen für die Bevölkerung: zerrissene Familien, schwere und bleibende Verletzungen, psychische Traumata, Vertreibung, Zerstörung der wesentlichen Infrastruktur (Krankenhäuser, Häfen, Brücken usw.) und eine ständig wachsende Armut: 80 Prozent der syrischen Bevölkerung leben derzeit unter der Armutsgrenze.

Die Teams von HI versorgen Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon, wodurch sie das Leid und die Traumatisierung der syrischen Bevölkerung aus nächster Nähe erfahren. Die Geflüchteten können nicht in ihre Heimat zurückkehren, weil sie stark mit explosiven Kriegsresten verseucht ist und die sozialen und wirtschaftlichen Aktivitäten zusammengebrochen sind. 

Eine starke Schweiz zur Beendigung von Bombenangriffen auf Wohngebiete

Idlib ist ein tragisches Beispiel für den Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten. HI und die Mitglieder des Internationalen Netzwerks gegen Explosivwaffen (INEW) führen Gespräche mit Staaten und wollen sie überzeugen, eine starke politische Erklärung zu unterstützen. Diese hat das Ziel, den Einsatz von Explosivwaffen mit grossem Wirkungsradius in Wohngebieten zu beenden und Hilfe für Opfer dieser Waffen sicherzustellen. 

Im Oktober 2019 begann unter Beteiligung der Schweiz eine Reihe von Verhandlungsrunden, die vom 23. bis 27. März in Genf fortgesetzt werden. Dieser diplomatische Prozess wird mit einer Konferenz abschliessen, die für den 26. Mai in Dublin geplant ist und auf der eine politische Erklärung zur Unterzeichnung durch die Staaten eröffnet wird.

HI fordert die Schweizer Bürgerinnen und Bürger auf, ihre Nationalräte über eine spezielle Website anzuschreiben und so von der Schweizer Regierung zu fordern, dass sie die Erklärung gegen den Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten unterstützt.?
 

9 März 2020
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