Humanitäre Notlagen: Bundesrat beschliesst Unterzeichnung der Charta zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der humanitären Hilfe

Rechte von menschen mit behinderungen und politik
International

Die Schweiz beschliesst die Charta zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der humanitären Hilfe zu unterzeichnen. Die Schweizer Koalition für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Internationalen Zusammenarbeit (SKBIZ) fordert die Schweizer Regierung auf, nun auch Taten folgen zu lassen.

Margharet, 7 Jahre alt, in Yei, Südsudan. Isaac, der HI-Physiotherapeut im Rehabilitationszentrum, bringt ihr einen Rollstuhl.

Margharet, 7 Jahre alt, in Yei, Südsudan. Isaac, der HI-Physiotherapeut im Rehabilitationszentrum, bringt ihr einen Rollstuhl. | © Dieter Telemans / HI

Der Bundesrat hat am Freitag, 19. Juni 2020 beschlossen, die Charta zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der humanitären Hilfe zu unterzeichnen. Damit bekräftig die Schweiz die Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention (UNO-BRK) auch in der humanitären Hilfe.  Die Schweiz ratifizierte die UNO-BRK 2014.

Die Schweizer Koalition für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Internationalen Zusammenarbeit (SKBIZ) – ein Zusammenschluss der CBM, Fairmed, Handicap International und der International Disability Alliance (IDA) – hat die Unterzeichnung der Charta denn auch schon lange gefordert.

Menschen mit Behinderungen besonders gefährdet

Menschen mit Behinderungen, und insbesondere Frauen und Kinder mit Behinderungen, sind in Gefahrensituation und humanitären Notlagen besonders gefährdet und einem erhöhten Risiko von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt. Oft haben sie keinen Zugang zu Informationen, Schutzunterkünften, Nahrungsmitteln, Wasser oder Gesundheitsdienstleistungen – um nur einige der Barrieren zu nennen, die Menschen mit Behinderungen während Gefahrensituationen und humanitären Notlagen erleben. 

Die Corona-Pandemie hat genau dies erneut aufgezeigt: Menschen mit Behinderungen werden in den Nothilfe- und Wiederaufbaumassnahmen noch immer ungenügend berücksichtigt und einbezogen.

Die Schweiz unterzeichnete die UNO-BRK 2014. Sie hat sich damit verpflichtet, ihre humanitäre Hilfe inklusiv zu gestalten. Die Charta zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der humanitären Hilfe basiert auf der UNO-BRK und verschreibt sich den folgenden Prinzipien: 

-    Nicht-Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen
-    Partizipation von Menschen mit Behinderungen in allen Phasen der humanitären Hilfe
-    Sicherstellung des Schutzes und der Inklusion von Menschen mit Behinderungen in der humanitären Hilfe
-    Verbesserung der Kooperation aller Akteure wie auch der Datenlage zu Menschen mit Behinderungen
-    Sensibilisierung und Kapazitätsaufbau der humanitären Akteure zu den Rechten und dem Schutz von Menschen mit Behinderungen

Konsequente Umsetzung der Charta

Nun muss die Schweiz zeigen, dass sie Ernst macht und diese Prinzipien in ihrer humanitären Hilfe auch wirklich umsetzt. Die neue Strategie zur internationalen Zusammenarbeit der Schweiz 2021–2024 ist hierzu ein wichtiges Instrument: Im Kapitel zur humanitären Hilfe werden Menschen mit Behinderungen denn auch explizit als eine der besonders verletzlichen Gruppen erwähnt, die in Notsituationen geschützt werden müssen. Die Strategie verpasst es hingegen, sich systematisch an der UNO-BRK auszurichten und die Rechte von Menschen mit Behinderungen transversal zu verankern. Denn die Realität zeigt: Inklusion geschieht nicht einfach!

 

22 Juni 2020

Einsatzländer

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Nadia Ben Said
Verantwortliche Medien
(FR/DE/EN)

Tel : +41 22 710 93 36
n.ben-said@hi.org

HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Jahresbericht 2020 von Handicap International Schweiz
© Adrienne Surprenant / HI
Betroffenen Gesundheit und Prävention Inklusion Mobilisierung Nothlife Stop Bombing Civilians

Jahresbericht 2020 von Handicap International Schweiz

Unser Jahresbericht 2020 ist jetzt veröffentlicht und blickt auf die Ereignisse dieses ganz besonderen Jahres zurück. Trotz der Einschränkungen und Schwierigkeiten waren unsere Teams in der Lage, sich anzupassen und die Kontinuität der Projekte im Feld und in der Schweiz zu sichern. Dank Ihrer Grosszügigkeit konnten wir mehr als 4 Millionen Menschen unterstützten.

Humanitäre Hilfe in Syrien gefährdet
© G. Dubourthoumieu / HI
Minen und andere Waffen Stop Bombing Civilians

Humanitäre Hilfe in Syrien gefährdet

In einem Monat läuft die Resolution zur grenzüberschreitenden humanitären Hilfe nach Syrien aus. Verschiedene Hilfsorganisationen, darunter Handicap International, warnen vor einer drohenden humanitären Katastrophe, wenn der UN-Sicherheitsrat die Resolution nicht vor ihrem Auslaufen verlängert. Mehr als eine Million Menschen wären dann von der Versorgung mit lebenswichtiger humanitärer Hilfe abgeschnitten.

Russland und die USA: Hauptverursacher von Leid und Tod von Zivilisten durch Luftangriffe
© Kate Holt / HI
Minen und andere Waffen Stop Bombing Civilians Veranstaltung

Russland und die USA: Hauptverursacher von Leid und Tod von Zivilisten durch Luftangriffe

Der russische Präsident Putin und der US-Präsident Biden treffen sich am Mittwoch, den 16. Juni in Genf. HI erinnert daran, dass Russland und die USA zu den Hauptverursachern von zivilen Opfern durch Luftangriffe gehören. Laut Action on Armed Violence (AOAV) sind die von den USA geführte Koalition, die von Saudi-Arabien geführte Koalition, Syrien und Russland die Hauptverursacher von zivilen Opfern durch Luftangriffe seit 2011.