Klimawandel: die grosse Bedrohung für die schutzbedürftigsten Menschen

Nothlife
Haiti International

Seit 15 Jahren ist Handicap International (HI) weltweit im Einsatz, um dabei zu helfen, Kommunen auf Naturkatastrophen vorzubereiten. Die Mitarbeiter/-innen von HI haben direkt vor Ort gesehen, wie eine Zunahme extremer Wetterereignisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel die Schwächsten, insbesondere Menschen mit Behinderungen, trifft.

Freiwillige tragen eine Frau mit Behinderung bei einer simulierten Übung für Katastrophenschutz in Haiti.

Freiwillige tragen eine Frau mit Behinderung bei einer simulierten Übung für Katastrophenschutz in Haiti. | © Jéthro-Claudel Pierre Jeanty/HI

Zunehmende Bedrohung

HI ist in immer mehr Einsätzen tätig, die durch extreme Wetterkatastrophen oder durch langfristige klimabedingte Notfälle ausgelöst wurden. Zwischen 2007 und 2017 ereigneten sich weltweit durchschnittlich 60 klimabedingte Katastrophen pro Jahr mehr als im vorherigen Jahrzehnt. HI betrachtet die extremen Wetterereignisse durch den Klimawandel als eine erhebliche und wachsende Bedrohung für das Wohlergehen der unterstützten Menschen – und ganz allgemein für alle besonders schutzbedürftigen Menschen weltweit.

Zusätzlich zu den unmittelbaren Auswirkungen, die plötzlich einsetzende Wetterlagen wie beispielsweise Wirbelstürme haben, zeigen zahlreiche Studien, dass die Klimaerwärmung auch indirekte, aber schwerwiegende Folgen für die Schutzbedürftigsten hat. Dazu zählen bewaffnete Gewalt, der erschwerte Zugang zu Nahrungsmitteln, Wasserknappheit, massenhafte Migrationsbewegungen und der Verlust von Existenzgrundlagen

Unverhältnismässige Auswirkungen

Auch wenn die Zunahme dieser Risiken alle Bevölkerungsgruppen betrifft, so wirken sich extreme Wetterbedingungen weitaus stärker auf besonders schutzbedürftige Menschen, insbesondere auf Menschen mit Behinderung, aus.

Diese sind stärker betroffen, da sie eher in Risikogebieten leben, in denen hohe Armut herrscht. Darüber hinaus sind sie häufig von den Notfallplänen der Katastrophenvorsorge ausgeschlossen.

Die Daten des Büros der Vereinten Nationen für Katastrophenvorsorge (UNDRR) zeigen, wie isoliert und gefährdet diese Menschen im Falle einer Katastrophe sind. Weltweit ist nur jeder fünfte Mensch mit einer Behinderung in der Lage, im Falle einer Katastrophe problemlos der Evakuierung zu folgen. Nur 17 Prozent kennen die Massnahmen zur Katastrophenvorsorge ihrer Gemeinde. Und nach einer Katastrophe fühlen sich 75 Prozent der Menschen mit Behinderung von der humanitären Hilfe ausgeschlossen.

Ein Freiwilliger hilft einem älteren Mann bei einer simulierten Übung zum Katastrophenschutz in Haiti. © Jéthro-Claudel Pierre Jeanty/HI 

Auf die Rettung von Menschenleben vorbereiten

In einer abgelegenen Gemeinde im Nordwesten Haitis tragen Freiwillige in orangefarbenen Westen eine Frau auf einer Bahre den felsigen Hügel hinunter. Zum Glück handelt es sich hier nur um eine Übung. Die Freiwilligen wollen so einschätzen, ob die von ihnen eingeführten Massnahmen zur Katastrophenvorsorge ausreichen, um im Falle einer Naturkatastrophe die Gemeindemitglieder in Sicherheit zu bringen. Bei der Evakuierung ist die gesamte Gemeinde einbezogen.

Dank eines gemeinsamen Projekts von HI und den Katastrophenschutzdiensten wissen die Teilnehmer hier, wie sie Menschen mit Behinderung, Kindern und älteren Menschen die notwendigen Informationen, Warnungen und Hilfeleistungen zukommen lassen können. Vorher wurden sichere Notunterkünfte vorbereitet, die für alle Menschen barrierefrei zugänglich sind. Solche Vorbereitungen sind in einer armen und isolierten Region wie dieser und in einem von Naturkatastrophen bedrohten Land wie Haiti die beste Überlebenschance.  


Über die Arbeit von HI in der Katastrophenvorsorge

  • HI führt seit fast 15 Jahren Massnahmen zur Katastrophenvorsorge und zur Anpassung an den Klimawandel durch.
  • Derzeit führen wir 20 Projekte zur Katastrophenvorsorge in 16 verschiedenen Ländern durch.
  • HI hilft anderen Akteuren der Katastrophenvorsorge, Menschen mit besonderen Bedürfnissen einzubeziehen.
Einsatzländer

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Nadia Ben Said
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