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Kriegserschüttertes Libyen: HI unterstützt Menschen mit Behinderung und deren Angehörige

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Libyen

Im lybischen Bengasi und Umgebung leistet Handicap International (HI) Reha-Behandlungen und psychologische Unterstützung in fünf Gesundheitszentren und durch Hausbesuche bei Menschen mit Behinderung.

Die Stadt Tawergha hatte früher 40.000 Einwohner. Im Jahr 2011 begann die Bevölkerung vor den Kämpfen zu fliehen.

Die Stadt Tawergha hatte früher 40.000 Einwohner. Im Jahr 2011 begann die Bevölkerung vor den Kämpfen zu fliehen. | © Till Mayer/HI

Hausbesuche

In Bengasi hat HI seit April 2019 Reha-Behandlungen mit 1.400 Menschen durchgeführt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf ihren Pflegenden und Angehörigen, die von den HI-Teams wertvolle Ratschläge erhalten.

So auch bei der zwölfjährigen Ritaj, die an einer Krankheit namens Hydrozephalus (Wasserkopf) leidet und nicht laufen kann. Ihre Tante kümmert sich um sie. Jeden Tag hat sie mit den schwierigen Lebensbedingungen zu kämpfen, die es in diesem vom Krieg zerrissenen Land zu bewältigen gilt. Sie ist die einzige Person, die sich um das Kind mit der schweren Behinderung kümmert.

Ritaj hatte einen alten Rollstuhl, der nicht mehr an ihre Bedürfnisse angepasst war und eine Fehlstellung oberhalb des Beckens verursachte.

Deshalb hat sie von HI einen nagelneuen Rollstuhl und einen Toilettenstuhl erhalten. Dies veränderte nicht nur Ritajs Alltagsleben, sondern auch das ihrer Tante. Darüber hinaus haben die Fachkräfte von HI ihnen auch ein paar einfache physiotherapeutische Übungen beigebracht. Dank dieser Übungen hat Ritaj nach und nach gelernt, sich eigenständiger zu waschen.

Die Hausbesuche sind für Frauen und Mädchen mit Behinderung essenztiell, da es in keinem Rehabilitationszentrum eine Aufenthaltsmöglichkeit für sie gibt.

Unzureichende Versorgung in der Rehabilitation

Alle medizinischen Einrichtungen in der Region Bengasi sind überlastet. HI arbeitet in fünf Gesundheits- und Rehabilitationszentren in der Stadt Bengasi und der Umgebung, darunter auch im großen Bengasi Medical Center. Dieses voll ausgestattete, aber personell unterbesetzte Zentrum empfängt Patient/-innen aus der gesamten Region Ostlibyen. Manche Menschen legen viele Kilometer zurück, um sich dort behandeln zu lassen. Doch es mangelt an verfügbaren Plätzen für Reha-Behandlungen. So müssen sich die Rehabilitationspatienten/-innen auf eine Warteliste setzen lassen und auf ihre Behandlung warten.

Neben den Massnahmen in der Reha schult HI auch medizinisches Personal, insbesondere Krankenpflegekräfte und Ärzte, für die Behandlung von Menschen mit Behinderung. Dabei werden auch die Verlegung und der Transport der Patient/-innen geübt, ohne sie zu verletzen oder Schmerzen zu verursachen. Dies spielt zum Beispiel für die Behandlung mit modernen Geräten wie einem Röntgengerät eine Rolle.

In Bengasi hat HI 18 medizinische Fachkräfte in acht medizinischen Einrichtungen geschult.  

Die Bevölkerung leidet

In Bengasi kommt es täglich zu Stromausfällen. Die Preise für Grundnahrungsmittel (Speiseöl, Reis, Teigwaren usw.) sind in den letzten Jahren explodiert. Der Ölpreis hat sich innerhalb von zwölf Monaten verdreifacht. Die Anzahl der Bargeldabhebungen ist auf wenige Male pro Jahr beschränkt. Schließlich sind seit März 2020 alle Schulen wegen der Corona-Pandemie geschlossen.

Die Bevölkerung leidet seit Jahren täglich unter dem Konflikt und seinen sozialen und wirtschaftlichen Folgen. Besonders betroffen sind die Menschen, die aufgrund der Gewalt fliehen mussten: In Bengasi leben mehrere tausend Binnenflüchtlinge aus Tawergha, Murziq, Tarhouna, Sirte usw. Die sozialen und medizinischen Dienste der Stadt sind damit überfordert.

In und um die Stadt gibt es vier Flüchtlingslager, aber viele weitere Geflüchtete leben in Mietshäusern oder bei Verwandten.
In einem so komplexen Kontext leiden viele Menschen unter den Folgen von Stress, Depressionen und Angstzuständen. Die Teams von HI sind in den Flüchtlingscamps tätig und leisten psychologische Beratung und Betreuung für die Menschen, die an schweren psychischen Störungen leiden.

14 September 2020
Einsatzländer

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Nadia Ben Said
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