Syrien: Rückkehr für Geflüchtete schier unmöglich

Minen und andere Waffen

50 Nichtregierungsorganisation, darunter Handicap International (HI), veröffentlichen auf Grundlage von Interviews mit Geflüchteten innerhalb und ausserhalb Syriens den Bericht “Into the unknown: Listening to Syria’s displaced in the search for durable solutions” („Reise ins Ungewisse: Syriens Flüchtlingen auf der Suche nach nachhaltigen Lösungen zuhören“). Der Bericht wird anlässlich der 4. Geberkonferenz für Syrien herausgebracht, die vom 22. bis 30. Juni in Brüssel stattfindet. Ziel ist es, den syrischen Geflüchteten das Wort zu erteilen. Sie beschreiben ihre Lebensbedingungen und erklären, wie sie in die Zukunft blicken.

© HI

Die Lage in Syrien nach neun Jahren Krieg

Armut, zusammengebrochenes Gesundheitswesen, Coronavirus. Die syrische Bevölkerung, die vor dem Krieg geflohen ist, steht vor immer grösser werdenden Herausforderungen. Besonders hart trifft es Menschen mit Behinderung. 

Über 12 Millionen Frauen, Männer und Kinder in Syrien mussten seit 2011 vor dem Konflikt aus ihren Häusern fliehen. Dieser hat ihr Land in den letzten neun Jahren völlig vernichtet. Die humanitären Folgen sind erschreckend und werden noch jahrelang andauern: Es herrscht ein unzureichender Zugang zur Versorgung, ein Mangel an Lebensmitteln, Menschen werden weiterhin vertrieben usw.

In Brüssel sprechen die Geldgeber und Nichtregierungsorganisationen über die schwierige humanitäre Lage, verursacht durch die intensiven Bombenangriffe. Explosive Kriegsreste stellen für Millionen Syrer/-innen eine Gefahr dar. Es werden grosse Anstrengungen in der Minenräumung und der Aufklärungsarbeit erforderlich sein, um die Bevölkerung vor Unfällen zu schützen. 

Die neun Jahre Krieg haben das Gesundheitssystem zum grossen Teil zerstört. Millionen Menschen sind von der Gesundheitsversorgung abgeschnitten. 
Immer mehr Menschen in Syrien müssen mit einer Behinderung leben. Sie zählen zu den schutzbedürftigsten Menschen. Die medizinischen Versorgungsleistungen, darunter auch Reha-Massnahmen, sind nicht mehr verfügbar. Deshalb ist es so wichtig, dass die Geldgeber eine inklusive humanitäre Hilfe unterstützen.

Reise ins Ungewisse

Von genau diesen schrecklichen Feststellungen handelt der Bericht “Into the unknown: Listening to Syria’s displaced in the search for durable solutions. Geflüchtete, die noch in Syrien leben oder ins Ausland geflohen sind, berichten über ihre Lebensumstände und ihre Sorgen über die Zukunft. 

Der Bericht will die Regierungen und Geldgeber darüber informieren, wie die betroffenen Flüchtlinge und Binnenflüchtlinge selbst ihre Zukunft sehen. Er will ihren Stimmen Gehör verleihen und auf diese Weise die langfristigen Entscheidungen, die über die syrischen Geflüchteten getroffen werden, beeinflussen.

Klare Präferenzen, aber begrenzte Optionen

Der Bericht stellt fest, dass ein grosser Unterschied zu verzeichnen ist zwischen den gewünschten Zukunftsprojekten der Bürger/-innen und ihren tatsächlichen Optionen, die in den kommenden fünf bis zehn Jahren als wahrscheinlich gelten. Viele syrische Geflüchtete sagen, dass sie nach Syrien zurückkehren oder sich ausserhalb des Nahen Ostens im Ausland niederlassen wollen. Doch selbst wenn dies ihre erste Wahl ist, stufen sie sie auf mittelfristige Sicht nicht als realistisch ein.

Bedingungen in Syrien müssen sich unbedingt verbessern 

Die syrischen Flüchtlinge geben die Kämpfe, die Bedrohung durch explosive Kriegsreste und die Sicherheitsprobleme als die grössten Hindernisse an, wenn sie in ihr Land zurückkehren. Solange die lebenswichtige Versorgung nicht wiederhergestellt ist, werden sie nicht nach Hause zurückkehren und ein menschenwürdiges Leben führen können.

Verantwortung muss besser aufgeteilt werden

Die Mehrheit der befragten Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon gibt an, dass sie schwer verschuldet sei – ein weiteres Hindernis, das sich einer Rückkehr in die Heimat in den Weg stellt.

„Ohne jedes Anzeichen einer politischen Lösung des Konflikts werden die Länder der Region weiterhin die Verantwortung auf sich nehmen, Millionen Flüchtlinge aufzunehmen (...). Ohne substantielle Unterstützung durch die internationalen Geldgeber scheinen die Folgen dramatisch: Die Flüchtlinge und die schutzbedürftigen Aufnahmegemeinden werden die Opfer der wachsenden Armut und der Spannungen in der Region sein (...).“ 

Lesen Sie den vollständigen Bericht, der anlässlich der 4. Geberkonferenz für Syrien veröffentlicht wird, die vom 22. bis 30. Juni 2020 in Brüssel stattfindet. Hier finden Sie ihn in englischer Sprache. 

Sie können etwas bewirken !

HI fordert die Schweizer Bürgerinnen und Bürger auf, ihre Nationalräte über eine spezielle Website anzuschreiben und so von der Schweizer Regierung zu fordern, dass sie die Erklärung gegen den Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten unterstützt.

1. Juli 2020

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Nadia Ben Said
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