Sagen Sie NEIN zu Bomben auf Wohngebiete!

Nach über 30 Jahren Kampagnenarbeit gegen Anti-Personen-Minen und Streubomben, die zum Verbot dieser Waffen im Ottawa-Vertrag (1997) und in der Oslo-Konvention (2008) geführt hat, engagiert sich Handicap International heute gegen Bombenangriffe auf Zivilisten. HI ruft alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich gegen diese inakzeptablen Angriffe zu mobilisieren und die internationale Petition „Stop Bombing Civilians“ zu unterzeichnen. 

stop bombing civilians - sodos - 8 jahre alt

© Philippe Poulpiquet | Handicap International

Tagtäglich werden mindestens 90 Zivilisten zu Opfern von Explosivwaffen durch blinde Bombardierungen und Mörser- oder Granatenschüsse. Die Verwendung dieser Waffen in bewohnten Gebieten ist verboten, dennoch töten und verletzten sie unentwegt: 92 Prozent der Opfer stammen aus der Zivilbevölkerung. In den meisten aktuellen Konflikten in Syrien, im Irak, im Jemen, in Afghanistan etc. sind Bombardierungen der Zivilbevölkerung zur Regel geworden.  

Bomben auf Zivilisten: Das ist kein Krieg, sondern ein Verbrechen!

 

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Der massive Einsatz von explosiven Waffen in bewohnten Gebieten und auf zivile Infrastrukturen ist eine Vorgehensweise, die gegen das Humanitäre Völkerrecht verstößt. Darin steht festgeschrieben, dass die Zivilbevölkerung bei Konflikten geschützt werden muss. Bei Angriffen muss ein Unterschied zwischen Kämpfern und Zivilisten gemacht werden und auch die Versorgung der Zivilbevölkerung mit humanitärer Hilfe muss gewährleistet sein. Ein humanitärer Imperativ, der anscheinend in den meisten Kriegen  nicht eingehalten wird.
Die Konfliktparteien müssen alles daran setzen, das Leben von Zivilisten zu verschonen. Es ist nicht erlaubt, dass Krankenhäuser oder Gesundheitseinrichtungen bombardiert werden und so die lebenswichtige Versorgung von Zivilisten, die inmitten der Kämpfe leben, verhindert wird. Die internationale Gemeinschaft muss diese Angriffe mit mehr Nachdruck verurteilen und sich mit all ihrer Macht dafür einsetzen, sie zu beenden.

 

Um diese unzulässigen Angriffe anzuprangern und ihnen ein Ende zu setzen, hat HI die Kampagne „Stop Bombing Civilians“ zur Mobilisierung der Öffentlichkeit ins Leben gerufen. 

Es ist entscheidend, dass die öffentliche Meinung und alle Staaten auf die verheerenden Folgen für Zivilisten aufmerksam gemacht werden.

Ziel der Kampagne ist es, 1 Million Unterschriften zu sammeln und die Petition im September 2018 an die Vereinten Nationen und verantwortliche Politiker zu übergeben. Wir müssen den größtmöglichen Druck auf alle Staaten ausüben, um sie dazu zu bewegen, die Zivilbevölkerung zu schützen.

Parallel dazu arbeitet HI im Rahmen der Koalition INEW (International Network on Explosive Weapons) an der Ausarbeitung einer politischen Erklärung, deren Ziel es ist, das Leiden der Zivilisten zu verringern und ihren Schutz zu verbessern, wenn sie in Konfliktgebieten leben.

 

„Die Parteien, die an den aktuellen Konflikten beteiligt sind, scheinen es normal zu finden, bewohnte Gebiete wie etwa Städte oder Dörfer zu bombardieren, ohne auf das Leben von Zivilisten zu achten. Die Bombardierungen sind meist unpräzise und willkürlich, im schlimmsten Fall treffen sie absichtlich Zivilisten. Deshalb haben sie entsetzliche Auswirkungen für die Bevölkerung. Wir müssen bewirken, dass das humanitäre Völkerrecht eingehalten wird. Es verlangt von den Kriegsparteien, dass sie Zivilisten schützen und diese Angriffe aufhören. Nur die Mobilisierung der Öffentlichkeit wird alle Staaten dazu zwingen können, das humanitäre Problem dieser Bombenangriffe auf Zivilisten zu sehen und sich dagegen zu stellen. Gemeinsam haben wir die Macht, um ‚Stopp‘ zu sagen.“ 
 

Petra Schroeter, Geschäftsführerin von Handicap International Schweiz

Die entsetzlichen humanitären Auswirkungen von Bombenangriffen

Schwere und zu Behinderung führende Verletzungen, schwerwiegende psychische Traumata, Zwangsvertreibung und Verarmung der Bevölkerung, Zerstörung von lebenswichtigen Infrastrukturen sowie des sozialen und wirtschaftlichen Geflechts – all diese Folgen sind niemals hinnehmbar. Handeln wir jetzt durch die Unterzeichnung der Petition, damit diese Bombenangriffe auf Zivilisten aufhören!

 

Körperliche Verletzungen und psychische Leiden

Durch ihre Explosions- und Splitterwirkung töten Explosivwaffen und verursachen schwere, komplexe und nachhaltige Verletzungen, die sofortige und angemessene medizinische Versorgung sowie Unfallchirurgie erfordern. 
Laut Bericht von HI  müssen viele Opfer amputiert werden, erleiden Traumatisierungen und große psychische Belastungen. Außerdem verschlimmert die mangelnde Versorgung die Auswirkungen von explosiven Waffen auf die Verletzten. Es entstehen Nachwirkungen mit lebenslangen Schmerzen, Amputationen, Verformungen betroffener Gliedmaßen, Behinderungen und Todesfälle.
 

 
Ali Stop Bombing Civilians

© Handicap International

 
Mosul familie stop bombing civilians

© Elisa Fourt | Handicap International

Amira, 44 Jahre alt, aus der Region Aleppo in Syrien, erzählt: „Die Bombenangriffe aus der Luft, die Raketen, Handfeuerraketen? Mörsergranaten, Pistolen… sie kamen von überall, von allen Seiten. Jedes Mal hatten wir den Eindruck, dass wir als Zivilisten inmitten von alledem standen, gefangen inmitten des Krieges, ohne Ausweg.“

 

Massive Vertreibung der Bevölkerung 

Die intensive Verwendung von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten ist eine der Hauptursachen für die massenhafte Vertreibung von Zivilisten. Ein Bericht von HI  zeigt, dass die Bevölkerung mehrmals hintereinander zur Flucht gezwungen wird, bis zu zehnmal, bevor sie einen sicheren Zufluchtsort findet. Diese wiederholte Flucht verursacht große Unsicherheit und schwere psychische Belastungen.
 

 
 

 Armut und Traumatisierung 

Der Bericht von HI  stellt ebenfalls heraus, dass die Menschen aufgrund der Bombenangriffe all ihr Hab und Gut verlieren, oft mehrmals hintereinander: jedes Mal, wenn sie Angriffen zum Opfer fallen oder ihnen ausgesetzt sind und jedes Mal, wenn sie erneut fliehen müssen.

Der Verlust des Zuhauses und der vertrauten Umgebung, enorme Verarmung, Schulabbruch der Kinder, ungewohnte Abhängigkeit von wohltätiger Hilfe usw. – dies sind die dramatischen Folgen der Bombardierungen. Oft gehen sie mit einem starken Gefühl des Verlusts der eigenen Würde einher. Besonders Frauen sind angesichts des sozialen Chaos gefährdet.

 
 
Abdel Irak Stop Bombing Civilians

© Handicap International

 
Mosul Auto Zerstörung stop bombing civilians

© Elisa Fourt | Handicap International

 

Zerstörung ziviler Infrastrukturen

Die Bombenangriffe zerstören Wohnraum, zivile Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Schulen, Elektrizitätssysteme, die Wasserversorgung und die Landwirtschaft. Die Bevölkerung flüchtet sich in die Gesundheitseinrichtungen in dem Glauben, dort bei Bombardierungen sicherer zu sein. Doch diese Orte werden direkt oder indirekt zu Zielscheiben, was umso mehr Tote verursacht und die medizinische Versorgung noch schwieriger macht.

Die Bombenangriffe schneiden den Zugang zu Strassen oder Transportsystemen ab und behindern den Zugang zu humanitärer Hilfe.
 

 

Bleibende Gefahr durch explosive Kriegsreste

Bei einem Angriff explodiert ein hoher Anteil der Waffen nicht beim Aufprall, was für die Überlebenden noch lange nach den Kämpfen eine tödliche Gefahr bedeutet. Die explosiven Kriegsreste machen die Rückkehr der Bevölkerung an ihre Wohnorte sehr riskant. Sie behindern jeglichen sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbau eines Landes oder einer Region nach einem Konflikt. 
 

 
Saddam Irak Stop Bombing Civilians

© Handicap International

 

Die Forderungen von Handicap International

  • Die Staaten müssen die Tragweite der Gefahr und die schwerwiegenden humanitären Folgen anerkennen, die durch die Verwendung von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten für die Zivilbevölkerung entstehen.
  • Die Staaten müssen die Verwendung von Explosivwaffen öffentlich verurteilen. Die Zivilbevölkerung, insbesondere Kinder, müssen vor Bombenangriffen geschützt werden. Die Zerstörung von Wohngebieten und von zivilen Infrastrukturen muss als Kriegsverbrechen gelten. 
  • Die Staaten müssen sich dafür einsetzen und darauf hinarbeiten, dass der Verwendung von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten ein Ende gesetzt wird. Insbesondere sollen sie internationale Initiativen unterstützen, die in diese Richtung gehen. HI fordert die Ausarbeitung einer gemeinsamen politischen Erklärung.
  • Die Staaten müssen Massnahmen unternehmen, um die kontaminierten Gebiete von explosiven Kriegsresten zu räumen, die Bevölkerung auf Gemeindeebene über die Risiken aufzuklären und Opferhilfe zu leisten.