Sunil Pokhrel, Physiotherapeut in Nepal

Ohne sofortige und umfassende Rehabilitation können sich bei Personen, die schwere Verletzungen erlitten haben, Komplikationen entwickeln, die ihnen die Rückgewinnung ihrer Mobilität erschweren oder sogar verunmöglichen. Für die Überlebenden des Erdbebens 2015 mit Beinamputationen in Nepal trifft dies in besonderem Masse zu. Sunil Pokhrel, der leitende Physiotherapeut von Handicap International in Nepal, erklärt, wie die Organisation den amputierten Überlebenden des Erdbebens hilft, wieder gehen zu lernen.

Sunil Pokhrel, Physiotherapeut in Nepal

Sunil Pokhrel, Physiotherapeut in Nepal | © Lucas Veuve / Handicap International

In normalen Zeiten beginnt die Rehabilitation, bevor der Patient amputiert wird. Wir begleiten die Person im Rehabilitationsprozess und leiten sie bei der Stärkung der oberen Gliedmassen an. Wir zeigen ihr auch Atemübungen, damit sie sich entspannen und Energie schöpfen kann. Unmittelbar nach der Operation muss der Stumpf des Patienten korrekt verbunden werden, damit er nicht zu sehr anschwillt, und das Bein muss mit gestreckten Gelenken leicht hochgelagert werden. Wenn es nicht gut positioniert ist, können sich die Beinmuskeln zusammenziehen und ihre Beweglichkeit endgültig einbüssen.

Die Patienten müssen auch anfangen, sich zu bewegen und zu dehnen, da sonst die Gefahr besteht, dass sie lange bettlägerig bleiben und Druckgeschwüre ausbilden. Ein paar Stunden nach der Operation testen wir, wie gut der Patient in der Lage ist, sich bequem hinzusetzen. Innert 24 Stunden ermuntern wir ihn, sich auf ein Hilfsmittel gestützt auf ein Bein zu stellen. Sobald er stehen kann, geben wir ihm Krücken und leiten ihn zum Gehen und zu anderen Übungen an.

Der Verlust eines Körpergliedes ist immer mit einem seelischen Trauma verbunden. Viele Überlebende des Erdbebens in Nepal haben zudem Familienangehörige, Freunde und ihre Wohnung verloren. Deshalb sprechen wir mit den Patienten und ihren Familien und hören ihnen zu. Um sie zu motivieren, erzähle ich den Patienten von Reema, einer jungen Frau, die von Handicap International eine Prothese erhalten hat und in Nepal heute eine berühmte Tänzerin ist.

Wenn der Stumpf einmal verheilt ist, kann der Patient zu anspruchsvolleren Übungen wie Streckbewegungen übergehen. Im Allgemeinen sind mehrere Monate Physiotherapie nötig, bis einer Person eine Prothese angepasst werden kann. 

Wenn der Patient bereit ist, nimmt ein qualifizierter Prothetiker Mass und passt ihm eine Prothese an. Die Einstellungen gehen danach weiter, bis der Patient mit seiner neuen Prothese bequem ein paar Schritte machen kann. Ein Physiotherapeut begleitet jeden Patienten und zeigt ihm, wie er auf glatten oder unebenen Böden gehen, Treppen steigen, seine Prothese an- und ausziehen und sie pflegen kann.

Wir versuchen, die Patienten drei bis sechs Monate nach ihrer Ausstattung mit einer Prothese und ihrer Schulung noch einmal zu untersuchen, um ihre Prothese noch einmal einzustellen. In einem Gebirgsland wie Nepal muss der Fuss einer Prothese normalerweise alle sechs Monate ersetzt werden und die ganze Prothese nach jeweils einem bis zwei Jahren.

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