Hurrikan Matthew in Haïti: Situationsbericht

Nothlife
Haiti

Nach dem Hurrikan, der am 4. Oktober 2016 auf den Südwesten und Nordwesten Haitis traf, hat Handicap International ein erstes mobiles Team auf den Weg gebracht, das in den Krankenhäusern und den Sammelunterkünften im Departement Sud Hilfe leistet. Wir haben die Situation der betroffenen Bevölkerung evaluiert, die weiterhin problematisch ist.

Les Cayes, Haïti, 5. Oktober 2016

Les Cayes, Haïti, 5. Oktober 2016 | © REUTERS / Andres Martinez Casares

Handicap International leistet Erstversorgung mit Rehabilitation für Verwundete und Menschen mit Behinderung, verteilt Mobilitätshilfen und ermittelt die besonders Schutzbedürftigen, die spezielle Unterstützung benötigen. Zur Verstärkung wurde ein zweites mobiles Team aufgestellt. Handicap International plant ebenso die Verteilung von 1.000 Nothilfesets (Schutzsets bestehend aus Seilen, Planen etc. zum Bau von Unterkünften, Hygienesets und wichtige Haushaltsartikel), um den Einwohnern bessere Wohn- und Lebensverhältnisse zu ermöglichen. 

Hintergrund

Drei Wochen nach dem Hurrikan Matthew, der am 4. Oktober 2016 den Südwesten und Nordwesten Haitis verwüstete und 2,1 Millionen Haitianer in Mitleidenschaft gezogen hat, benötigen noch immer 1,4 Millionen Menschen humanitäre Hilfe. Mehr als 146.000 Häuser wurden zerstört, beschädigt oder überflutet und mehr als 175.500 Menschen sind in 224 Notunterkünften untergebracht. Zudem sind vom 20. auf den 21. Oktober schwere Regenfälle auf das Departement Sud niedergegangen, das bereits vom Hurrikan stark verwüstet worden war. Die Felder sind überschwemmt und zahlreiche Strassen komplett unpassierbar. Die Bevölkerung, die bereits ihre Plantagen und ihr Haus verloren hatte, muss nun diese weitere Katastrophe ertragen.

Um den Schutzbedürftigsten zu helfen, hat Handicap International ein Team von neun ausländischen Nothilfefachkräften aufgestellt, die die Hilfsmassnahmen in den vom Hurrikan betroffenen Gebieten leiten.

Aktivitäten

Wir setzen zwei Teams mit jeweils drei Fachkräften in der Stadt Les Cayes zur Versorgung von Verletzten ein. Die Teams bestehen je aus 1 Projektleitenden (spezialisiert auf besondere Bedürfnisse, besonders in der Rehabilitation), 1 Projektleitenden für die psychologische Betreuung, 1 Fachkraft für Physiotherapie und 1 Sozialarbeitenden. Jedes Team hat den Zustand der Krankenhäuser und Rehabilitations-einrichtungen evaluiert, um die lokalen Strukturen angemessen zu unterstützen. Jedes Team stellt ausserdem Mobilitätshilfen (Rollstühle, Krücken, Rollatoren) zur Verfügung, leistet bei den Verletzten erste Rehabilitationsmassnahmen und bietet psychologische Unterstützung an, um den Opfern bei der Bewältigung ihrer Traumata zu helfen.   

> Verteilung von Nothilfesets

Handicap International organisiert die Verteilung von Nothilfesets (bestehend vor allem aus einem Werkzeugkasten, Seilen, Halterungen und Planen), damit die Betroffenen Unterkünfte konstruieren und angemessen leben können. Zudem werden wir unerlässliche Haushaltsartikel (darunter Kanister und Stablampen) und Hygienesets verteilen, um die Ausbreitung von Epidemien wie Cholera zu verhindern. Diese wütet bereits in einigen Gemeinden, zum Beispiel in Chardonnières im Departement Sud.

> Logistikplattform

„Vorrangig müssen Verletzte, Familien, die alles verloren haben, und isolierte Menschen Zugang zu humanitärer Versorgung haben“, erklärt Hélène Robin. Da einige vom Wirbelsturm betroffene Regionen schwer zugänglich sind und auch die völlig isolierten Gemeinden versorgt werden müssen, haben wir unser Team durch Logistikfachkräfte verstärkt. Dies organisiert die Beförderung der Hilfsgüter auf dem Seeweg, indem es lokal vorhandene Transportservices mit Booten nutzt, oder auf dem Landweg. Auf diese Weise sollen die humanitären Akteure, die in entlegenen Gebieten arbeiten, die Hilfsgüter in Empfang nehmen und an isolierte Bedürftige vor Ort, selbst in den völlig abgelegenen Regionen, verteilen können.

Berichte von Opfern des Hurrikans

Amer

 

„Als der Hurrikan unser Viertel, Fondrède, getroffen hat, dachte ich, es sei das Ende. Unser Hausdach ist über uns eingestürzt, und wir sind zu einem unserer Nachbarn geflüchtet. Wir sind schnell wieder weggegangen; wir wollten ihnen nicht zur Last fallen. Heute sind wir zurück, aber wir haben keine Bleibe mehr, keine Landwirtschaft. Nichts mehr“, erklärt Inès Virgile, 32, Mutter von fünf Kindern.

 

 

 

Roqaya

 

 

 

„Ich bin 90 Jahre alt. Ich bin taub. Ich habe weder Nachbarn noch eine Familie. Ich bin isoliert. Ich wurde vorsichtshalber ins Gymnasium Philippe Guerrier evakuiert. In der Nacht des Hurrikans habe ich nichts gehört, ich habe nicht einmal mitgekriegt, was da passierte“, Méralia Simon.

 

 

 


Berichte der Mitarbeitenden von Handicap International 

Amer

 

„Die finanziellen Mittel sind noch immer völlig unzureichend im Verhältnis zum Ausmass der Katastrophe. Der Bedarf ist enorm und sehr vielfältig. Unsere Teams setzen ihre ganze Energie ein, um die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu decken, aber unsere Mittel reichen nicht aus, um sicher zu sein, dass wir die Einwohner Haitis in dieser erneuten Prüfung begleiten und ihnen einmal mehr beim Wiederaufbau helfen können“, Hélène Robin, verantwortlich für die Notfalleinsätze von Handicap International.

 

 

Roqaya

 

"Je näher wir dem Nordwesten kamen, desto mehr wurden die Schäden des Hurrikans sichtbar, besonders ab Bombardopolis. In Jean-Rabel waren die Häuser unter der Macht des Sturms zusammengebrochen. Weil sie ihre Ernte und ihr Vieh verloren haben, fürchten die Einwohner der Gemeinde den Verlust ihrer Einkommensquellen. Der Hurrikan hat ihre Schutzbedürftigkeit noch verstärkt, wo doch die Lebensbedingun-gen der Menschen ohnehin schon ungesichert waren“, Pauline Lavirotte, Projektbeauftragte für Grundbedürfnisse.

 

 

Photos: © B.Almeras/Handicap International

 

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