Seit acht Jahren im Rollstuhl: So lebt Osama als syrischer Flüchtling

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Jordanien

Anlässlich des 9. Jahrestags des Kriegs in Syrien am Sonntag, 15. März, erinnert Handicap International (HI) an die Dringlichkeit dieser humanitären Krise. Die Geschichte von Osama, 25-jähriger Syrer und Opfer eines Bombenangriffs, zeugt vom menschlichen Leid vor Ort.

Osama in seinem Rollstuhl

Osama in seinem Rollstuhl | © HI

NEIN zu Bombenangriffen auf die Zivilbevölkerung! Handicap International (HI) fordert die Schweizer Bürgerinnen und Bürger auf, ihre Nationalräte über eine spezielle Website zu mobilisieren, damit diese Druck auf die Schweizer Regierung ausüben und sie die politische Erklärung gegen den Einsatz von Explosivwaffen in Wohngebieten unterstützt.

Flucht vor der Gewalt

Im Jahr 2012 wird das Dorf, in dem Osama früher lebte, bombardiert. Sein jüngerer Bruder, der 13 Jahre alt war, wird getötet. Osama wird von einem Raketensplitter an der Wirbelsäule getroffen und ist seither gelähmt. Seine Familie flieht nach Jordanien. Dort wird er im Krankenhaus des Flüchtlingscamps Zaatari behandelt. Sobald sich sein körperlicher Zustand stabilisiert hat, zieht er mit seiner Familie in eine Wohnung im Westen von Irbid. 

Osama und seine Familie sind weitgehend von der humanitären Hilfe abhängig. Sie haben auf ihrer Flucht alles zurückgelassen. Osamas Mutter hatte nur die Kleider, die sie bei ihrer Ankunft in Jordanien am Leib trug. Osama hatte lediglich einen kleinen Rucksack mit Kleidung dabei.

Das Leben mit einer Behinderung

In der ersten Zeit ohne Rollstuhl blieb Osama abgeschieden in seiner Wohnung. 2013 besuchte HI ihn zum ersten Mal.

Daraufhin unterstütze unser Team ihn zwei Jahre lang. Zuerst erhielt er einen Rollstuhl und lernte, ihn zu benutzen und sich selbst anzuziehen. Darüber hinaus erhielt er psychologische Unterstützung. Vor Ort besuchte er schliesslich eine spezielle Weiterbildung für syrische Flüchtlinge in Jordanien, auch wenn die meisten Einrichtungen den Sekundarschulabschluss, den er damit erreicht hat, nicht anerkennen.

Im Rollstuhl

Die täglichen Schwierigkeiten beginnen, sobald Osama sein Haus verlässt. Die Strassen und Bürgersteige sind für Menschen im Rollstuhl nicht geeignet. Er stösst auf seinen Wegen und beim Zugang zu Gebäuden auf viele Hindernisse, weil die Stadt keineswegs barrierefrei ist. Ausserdem hat er Schwierigkeiten, eine anständige Arbeit oder Weiterbildung zu finden.

Früher hat er eine Ausbildung als Automechaniker gemacht, aber der Krieg, seine Behinderung und sein Status als syrischer Flüchtling haben alles verändert. Er kann in Jordanien keine hochwertige Ausbildung finden, weil die einzigen kostengünstigen Bildungseinrichtungen mit dem Rollstuhl nicht zugänglich sind.

Die Depression überwinden

Zu Beginn konnte Osama seine Situation nicht akzeptieren. So lag er ein ganzes Jahr lang im Bett. Sein Zustand verbesserte sich schliesslich, als er durch die HI-Teams angemessen versorgt wurde. Jetzt arbeitet er ehrenamtlich bei HI und hilft unserem Team, ähnliche Fälle zu betreuen. Die Möglichkeit, mit anderen Flüchtlingen über seine Geschichte zu sprechen, hilft ihm, seine eigene Traumatisierung zu überwinden.

Heute träumt er davon, nach Kanada zu ziehen, wo sein Onkel lebt. Er vertraut unseren Teams seine ehrgeizigen Pläne für die Zukunft an:

„Ich würde gerne studieren und Entwickler von Videospielen werden", sagt er.

3 März 2020
Einsatzländer

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Nadia Ben Said
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