„Unser grösster Sieg ist, sie wieder lächeln zu sehen“

Betroffenen
Syrien

Jamila lebt in einem Flüchtlingslager in Nordsyrien. Zwei ihrer Söhne wurden bei einem Bombenangriff zu Beginn des Konflikts getötet. Damals war sie durch die Bombardierungen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und mit ihren verbliebenen Familienmitgliedern mehrfach innerhalb Syriens an andere Orte zu fliehen. Handicap International unterstützt Jamila seit mehreren Monaten durch Physiotherapiesitzungen und psychosoziale Unterstützung.

Jamila

Jamila teilt ihre Erfahrungen mit dem Team der Partnerorganisation von Handicap International | Handicap International

"Zu Beginn des Krieges war mir nicht bewusst, welche Konsequenzen der Krieg für mich und meine Familie haben würde. Bis meine zwei Söhne gestorben sind..." Jamila ist erschöpft und müde und erinnert sich noch an den Tag, an dem ihr Leben auf den Kopf gestellt wurde. "Sie waren einen Freund besuchen gegangen", sagt die Grossmutter.

"Auf ihrem Heimweg gerieten sie in einen Angriff. Kurz darauf entschloss mein dritter und letzter Sohn, mit seiner Ehefrau und seiner Tochter in der Türkei Zuflucht zu suchen. Der Verlust meiner drei Kinder war unerträglich. Ich fühlte mich, als habe meine Seele meinen Körper verlassen."

Dennoch hat Jamila nie in Betracht gezogen, Syrien zu verlassen. "Hier bin ich geboren worden und hier werde ich sterben", sagt sie resigniert. "Was auch immer geschehen möge, mein Leben findet in diesem Land statt."

Jamila sitzt auf dem Fussboden in ihrem Zelt und erzählt dem Team von Handicap International, wie sie in dieses Flüchtlingslager gekommen ist. Es gab andauernd neue Angriffe. Nachdem ihre Söhne gestorben waren, war sie dafür verantwortlich, sich um den Rest der Familie zu kümmern. Sie musste ihre Schwiegertochter und ihren Enkelsohn in Sicherheit bringen, also gingen sie fort. Sie haben sich auf der verzweifelten Suche nach einem Ort, an dem es keine Angriffe gibt, an vier verschiedenen Orten niedergelassen. Und schliesslich sind sie im Flüchtlingslager angekommen.

Vor einigen Monaten erzählten die Menschen im Flüchtlingslager dem Team von Handicap International von Jamila. Mustafa, einer unserer psychosozialen Betreuer, suchte Jamila in ihrem Zelt auf, stellte sich vor und erklärte, wie wir ihr helfen könnten. Das Team begann damit zu analysieren, was sie brauchte und erkannte, dass sie psychisch sehr belastet war. Sie war sehr isoliert und traurig und machte sich äusserst grosse Sorgen über die Zukunft ihres Enkelsohns. Unser Ziel war, sie aus dieser Isolation zu befreien und ihr zu helfen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Mustafa ermutigte sie beispielsweise, sich einer Frauengruppe im Lager anzuschliessen.

Im Verlauf der Sitzungen begann Jamila, ihr Zelt zu verlassen und wieder Kontakte mit anderen Menschen zu knüpfen. „Nach wie vor denkt sie ununterbrochen über die Vergangenheit nach", erklärt Mustafa, "aber wir versuchen ihr dabei zu helfen, ihre Situation zu akzeptieren.“ Auch Rami und Mohammad, die Physiotherapeuten im Team, haben eine Verbesserung bemerkt. Jamila läuft besser als zu dem Zeitpunkt, als sie ihr zum ersten Mal begegneten, und sie kann das Gleichgewicht besser als zuvor halten. Sie halten abschliessend fest: "Doch unser grösster Sieg ist es, sie wieder lächeln zu sehen."

Einsatzländer

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Nadia Ben Said
Verantwortliche Medien
(FR/DE/EN)

Tel : +41 22 710 93 36
n.ben-said@hi.org

HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Südsudan: Emmanuel kann jetzt selbstständig zur Schule fahren
@ HI
Betroffenen Inklusion

Südsudan: Emmanuel kann jetzt selbstständig zur Schule fahren

Emmanuel ist 12 Jahre alt und an beiden Beinen gelähmt. Seit Handicap International (HI) ihm ein Tricycle geschenkt hat, kann er eigenständig zur Schule gehen. HI setzt sich im kriegsgebeutelten Südsudan dafür ein, dass Menschen mit Behinderung nicht ausgeschlossen werden. 

Fast 300.000 syrische Flüchtlinge sitzen an den Grenzen fest: Zugang zu humanitärer Hilfe ist dringend erforderlich
© Philippe Poulpiquet / HI
Nothlife Stop Bombing Civilians

Fast 300.000 syrische Flüchtlinge sitzen an den Grenzen fest: Zugang zu humanitärer Hilfe ist dringend erforderlich

In den letzten Tagen hat sich die Anzahl der Syrerinnen und Syrer, die aus dem Süden des Landes vor dem Konflikt geflohen sind, von 60.000 auf 272.000 Menschen mehr als vervierfacht. Die humanitäre Hilfe an den Grenzen reicht nicht aus, um alle vertriebenen Familien zu versorgen. 

Ein neues Bein für Alassane
© Erwan Rogard / HI
Betroffenen Rehabilitation

Ein neues Bein für Alassane

Die Geburt eines Kindes ist für die Eltern und den ganzen Familien- und Bekanntenkreis immer ein Moment grossen Glücks… Doch für die Eltern Alassanes fällt einige Monate nach seiner Geburt ein dunkler Schatten auf dieses Glück, als bei ihm eine schwere Infektionskrankheit festgestellt wird. Bei ihrem Sohn muss notfallmässig das rechte Bein amputiert werden!