Kambodscha

35 Jahre nach der Gründung der kambodschanischen Flüchtlingslager in Thailand kümmert sich Handicap International weiterhin um die Bedürftigsten. Tausende sind Überlebende von Unfällen mit Minen oder anderen explosiven Kriegsresten.

©Lucas Veuve/HI

Laufende aktivitäten

Unsere Projekte in Kambodscha dienen unter anderem dazu, bleibende Behinderungen zu vermeiden, die zum Beispiel durch Verkehrsunfälle oder Unfälle mit explosiven Kriegsresten enstanden sind. Ausserdem erleichtern wir Menschen mit Behinderung den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Rehabilitation und fördern deren soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu fördern.

Seit 1997 wurden offiziell über 64.000 Opfer von Minen und explosiven Kriegsresten verzeichnet, doch die Dunkelziffer ist weiterhin unbekannt. Viele der Überlebenden haben eine Behinderung. Die Lebensbedingungen sind nicht einfach für Menschen, die ihr Augenlicht verloren haben oder eine Amputation erleiden mussten. Für amputierte MEnschen ist Basis für Inklusion eine Prothese. Um den Betroffenen dies zu bieten und ihnen Rehabilitationsmassnahmen und Mobilitätshilfen zur Verfügung zu stellen, haben wir bereits 1987 sieben Rehabilitationszentren im Land eingerichtet. Heute unterstützen wir lokale Rehabilitationszentren in Kampong Cham und Tbong Khmum und stellen dort die Qualität und Nachhaltigkeit sicher. Zu diesem Zweck bilden wir Fachkräfte aus und optimieren das Management der Zentren. In Kampong Cham erhalten jedes Jahr mehr als 2.000 Menschen mit Behinderung die so dringend benötigte Unterstützung.

Wir setzen uns in Kambodscha mit wichtigen Projekten gegen Minen, Streubomben und andere explosive Kriegsreste ein. Im Jahr 1992 mussten wir durch das Wiederaufleben von Minenunfällen den Einsatz verstärken, als rund 375.000 kambodschanische Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehrten. Entsetzt über das mangelnde Interesse der internationalen Gemeinschaft engagieren wir uns dafür,  dicht besiedelte Gebiete von Minen zu räumen, die Bevölkerung auf die Gefahren, die von diesen Waffen ausgehen, aufmerksam zu machen und kambodschanische Minenräumerinnen und Minenräumer auszubilden. Zwischen 1993 und 2011 entminten wir gemeinsam mit CMAC (Cambodian Mine Action Centre)  330 km² Land.

Unsere Teams verbessern heute den Zugang von Menschen mit Behinderung zu Rehabilitationsmassnahmen und fördern deren Inklusion in die Arbeitswelt, um Armut und soziale Ausgrenzung nachhaltig zu reduzieren. Darüber hinaus helfen wir dabei, neue Behinderungen zu reduzieren -  z.B. mit Mutter-Kind-Gesundheitsversorgung oder Informationsveranstaltungen zur Verkehrssicherheit.

Neueste aus den projekten

UNSERE NEUE BRIEFPOST AUS KAMBODSCHA
© Gaspard Durosselle / Handicap International

UNSERE NEUE BRIEFPOST AUS KAMBODSCHA

Jedes Jahr schicken wir unseren Spenderinnen und Spendern Neuigkeiten aus unseren Projekten in Kambodscha. Dieses Land hat für uns einen hohen symbolischen Stellenwert, denn es repräsentiert die Anfänge unserer Arbeit als Organisation im Jahr 1982. Handicap International ist immer noch vor Ort und begleitet weiterhin besonders schutzbedürftige Kambodschaner – unter ihnen auch tausende Überlebende von Unfällen mit Minen und explosiven Kriegsresten.

Kanhara – die Geschichte einer Kämpferin
© S. de Groeve / Handicap International
Betroffenen Rehabilitation

Kanhara – die Geschichte einer Kämpferin

Die zehnjährige Kanhara wohnt in einem kleinen Dorf an der Strasse, die die Städte Kompong Cham und Siem Reap miteinander verbindet. Dieses kleine Mädchen musste sich sein rechtes Bein und den rechten Arm amputieren lassen, nachdem es von einem Lastwagen angefahren worden war. Da war Kanhara gerade einmal vier Jahre alt. Seit 2015 bekommt sie Unterstützung vom Handicap International Rehabilitationszentrum in Kompong Cham. Die zehnjährige Kanhara betrachtet uns mit ihrem sehr ernsten Blick. Es ist der Blick eines tapferen Mädchens, das das Leben nicht geschont hat und das bereits in diesen jungen Jahren weiss, was es heißt, ums Überleben kämpfen zu müssen.

Sozialarbeiterin Davann: mit dem Roller an der Seite der Schwächsten
(c) Lucas Veuve / Handicap International
Gesundheit und Prävention

Sozialarbeiterin Davann: mit dem Roller an der Seite der Schwächsten

Davann, 42, ist Sozialarbeiterin. Sie fungiert als Verbindungsglied zwischen den in Dörfern lebenden Männern, Frauen und Kindern mit Behinderung und dem Rehabilitationszentrum von Kampong Cham. Davann ist ein unverzichtbares Glied in der Solidaritätskette, die in dieser Region Kambodschas die ärmsten und isoliertesten Menschen unterstützt.

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Hintergrund

Kambodscha ist mit der vermutlich weltweit höchsten Zahl von Minen im Land berüchtigt für seine tragische Geschichte. Ausserdem beherbergt es eine der ältesten Kulturen der Welt. Dank einer relativ stabilen Periode wachsen die Wirtschaft und der Wohlstand in den letzten Jahren.

In Kambodscha herrscht seit 1998 Frieden, doch durch das Erbe von 40 Jahren Krieg ist das Land trotzdem auf internationale Hilfe angewiesen.

Seit 1998 sorgt eine relativ stabile politische Lage dafür, dass das Land begrenzt, aber signifikant vom Wirtschaftswunder der Region profitieren kann. Die langsame aber sichere Entwicklungsdynamik hat zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen für eine wachsende Einwohnerzahl geführt. Die Bevölkerung hat nun eine nahezu ununterbrochene Stromversorgung in den Städten und zunehmend auch in ländlichen Gebieten. Es werden mehr und mehr Privat- und  Geschäftsgebäude gebaut. Die grosse Mehrheit der Kinder geht zur Schule und die Kindersterblichkeitsrate ist deutlich zurückgegangen.

Nichtsdestotrotz herrscht immer noch grosse Armut und Ungleichheit. Es gibt anhaltende Korruption und Straffreiheit für die reichsten Mitglieder der Gesellschaft und zahlreiche ungelöste Probleme. Die immer noch schwache Wirtschaft des Landes bringt wenig staatliche Einnahmen – dies wiederum erklärt die andauernden Schwachstellen im Gesundheits- und Bildungssystem.

Die Gründe für Behinderungen sind zahlreich und umfassen beispielsweise Krankheiten, Minenunfälle und sehr häufig Verkehrsunfälle. Die fehlende Verkehrssicherheit in Kambodscha ist ein schwerwiegendes Problem. Menschen mit Behinderung, vor allem Kinder, sind die bedürftigste und verwundbarste Gruppe in der kambodschanischen Gesellschaft. Unterstützung für Menschen mit Behinderung hat keine Priorität für die Regierung, sodass internationale Organisationen nach wie vor die Hauptakteure in Sachen Behinderung und Rehabilitation sind.

Anti-Personen-Minen, in grossen Mengen über einen Zeitraum von 15 Jahren verlegt, behindern die Entwicklung des Landes in dem 80 % der Menschen in ländlichen Gebieten leben. Es werden mehrere Millionen Minen und andere Kriegsreste im Land vermutet. Kambodscha zählt zu den am stärksten minenverseuchten Ländern der Welt und leidet zudem unter einem weiteren Fluch: Submunitionen aus Streubomben. Während des Vietnamkriegs (1955-1975) warfen die USA über 26 Millionen dieser Waffen über dem Land ab. Diese Bombardements hinterliessen bis zu 5,8 Millionen nicht explodierter Kriegsreste im Boden. 2013 gab Kambodscha an, dass mindestens 1.915 km² des Territoriums immer noch von Minen und explosiven Kriegsresten verseucht sind. Die Entminung wird noch viele Jahre dauern.

Einsatzländer