Jules Zorn, Stützpunktleiter für Handicap International in Kalar im Irak

Seit April 2015 haben die Kämpfe in Irak über 220 000 Menschen  zur Flucht gezwungen. 120 000 von ihnen sind in das Gouvernement Diyala geflohen. Vor Ort sind nur wenige lokale Einrichtungen in der Lage, auf die massiven Bedürfnisse von Menschen einzugehen, die alles verloren haben. Handicap International hilft den Schutzbedürftigsten in einem Gebiet, in dem nur wenige internationale Organisationen vertreten sind. Jules Zorn, der Stützpunktleiter für Handicap International in Kalar, erklärt das Ausmass des Bedarfs.

> Verstärkte Präsenz

„Das Gouvernement Diyala ist für die neuen vertriebenen Familien sicher eine der wichtigsten Destinationen. In letzter Zeit haben wir einen massiven Zustrom von Personen beobachtet, die vor den Kampfhandlungen im Süden des Gouvernements und in den angrenzenden Gouvernements geflüchtet sind, zusätzlich zu denen, die an der Grenze zu Kurdistan zusammenströmen. Alle warten darauf, in sicherere Gebiete im Norden von Diyala oder im Kurdistan flüchten zu können. Es werden noch mehr Familien kommen. 

Im letzten Winter haben wir vom Stützpunkt in Kalar aus 800 Decken und 500 Heizungen verteilt. Seither haben wir unsere Präsenz im Gouvernement Diyala verstärkt und ein Team von vier Betreuern und einem Physiotherapeuten mobilisiert, die sich um die Bedürfnisse der Schutzbedürftigsten in den Lagern und Gemeinden kümmern. Die Teams helfen den von der Krise am schwersten betroffenen Vertriebenen und unterstützen die aufnehmende Bevölkerung. Sie klären den Bedarf ab und sorgen für die Verteilung von spezifischem Material und Mobilitätshilfen wie Rollstühlen, Krücken, Rollatoren und Matratzen. Die Teams organisieren auch Physiotherapiesitzungen für Personen mit eingeschränkter Mobilität.

> Psychische und physische Not 

Hier besteht ein immenser Bedarf an Rehabilitationsmassnahmen und auch an psychologischer Betreuung. Die Personen, die wir betreuen, sind stigmatisiert. Wegen ihrer Schutzbedürftigkeit sind sie isoliert und haben kaum Zugang zu den lokalen und internationalen Solidaritätsnetzen. Nicht selten leben sie mit schweren Behinderungen und in seelischer Not. Es braucht angemessene Hilfe, um das Leiden dieser Menschen zu lindern, entweder durch unsere Teams oder durch andere Einrichtungen. Die lokalen Dienste sind jedoch überlastet und erhalten wenig Unterstützung. Sie sind nicht in der Lage, mit all den neuen Bedürfnissen fertigzuwerden, mit denen sie konfrontiert werden. Die humanitäre Hilfe wiederum ist angesichts der Dringlichkeit der Probleme ungenügend.

Wir müssen vor Ort für die Präsenz des Verbandes sorgen, indem wir Teams mit Fachleuten verschiedener Berufen einsetzen. Rehabilitation ist hier definitiv nur mit psychosozialer Unterstützung möglich. Und wir müssen um jeden Preis verhindern, dass diese Familien zu vergessenen Opfern der Krise werden.“

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