Bessere Versorgung für Menschen mit einer Rückenmarksverletzung

5. September: Internationaler Tag der Rückenmarksverletzungen. Weltweit leiden mehr als 250.000 Menschen an Rückenmarksverletzungen: Sie sind Opfer von Verkehrsunfällen, Gewalt oder von schweren Stürzen. Dies führt oft zu Behinderungen. Seit über 25 Jahren sorgen wir in Zusammenarbeit mit der International Spinal Cord Society (ISCOS) für eine hochwertige Versorgung der Verwundeten mit Rehabilitation, stärken ihre soziale Integration und helfen bei der Arbeitsvermittlung. 

Moemen, 13, wurde durch Schüsse an der Wirbelsäule im April 2014 verletzt | © Bas Bogaerts / Handicap International

Fatale Unfälle, die vermeidbar wären

Jedes Jahr erleiden über 250.000 Menschen eine Verletzung des Rückenmarks[1], die zur teilweisen oder vollständigen Lähmung der Gliedmassen und des Rumpfes führen kann. „Mehr als 9 von 10 dieser Verletzungen sind vermeidbar (Autounfälle, Stürze oder Gewalt) und können schwere Behinderungen oder den Tod zur Folge haben. Menschen mit Behinderung sind aufgrund fehlenden Zugangs zu Reha-Maßnahmen oder schlechter rehabilitativer Versorgung mit erheblichen Problemen konfrontiert. Dazu zählen auch der mangelhafte Zugang zu Bildung und Beschäftigung und die soziale Ausgrenzung – von der Traumatisierung nach solchen Unfällen ganz zu schweigen.  In vielen Fällen müssen die Menschen von heute auf morgen mit einer Behinderung leben. Das ist schwer zu akzeptieren - für die Menschen selbst und deren Umfeld“, erklärt Erik Weerts, Experte für Nothilfe und Rehabilitation von Handicap International.

Vorsorge und Pflege für Alle

Handicap International arbeitet seit 1989 mit Menschen mit Rückenmarksverletzungen. „Zunächst einmal wollen wir das Risiko einer Rückenmarksverletzung verringern und Unfälle vermeiden, die zu solch einer Verletzung führen und schwere Folgen haben können. Wir haben vor allem frühere Opfer von Verkehrsunfällen mit Rückenmarksschädigungen dazu ausgebildet, in den Schulen für das Thema Verkehrssicherheit zu sensibilisieren“, so Eric Weerts.

Ausserdem stellen wir auf Anfrage der nationalen Gesundheitsbehörden geeignete Versorgungssysteme auf, die Rehabilitationsmassnahmen und psychosoziale Unterstützung für Menschen mit einer Rückenmarksverletzung (für Opfer und Familie) anbieten und ihre Integration in die Gesellschaft fördern. Weiterhin sensibilisieren wir auch andere Akteure für Rückenmarksverletzungen, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft zu stärken.

In Zusammenarbeit mit der ISCOS werden wir auch in Notsituationen und Konflikten aktiv: 

„Viel zu oft müssen wir feststellen, dass die Grundprinzipien zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kriegsgebieten nicht respektiert werden. Zusätzlich zu den häufigsten Verletzungen (Brüche etc.) durch Bombardierungen tragen viele zivile Opfer auch Rückenmarksverletzungen davon. Auch werden viele Menschen mit Behinderung nicht angemessen versorgt. Ihre unmittelbaren Bedürfnisse (Gesundheitsversorgung, Pflege, Rehabilitation) und weitergehenden Probleme (Schmerzen, Inkontinenz, Mobilitätsverlust) werden nicht abgedeckt. Wir arbeiten daran, Standardkriterien für die Versorgung der schutzbedürftigsten Menschen in Notsituationen festzulegen. Für uns hat das Priorität“, ergänzt Erik Weerts.

Unsere Expertise

Rehazentren

Handicap International  verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Errichtung von Rehabilitationszentren für Menschen mit einer Rückenmarkverletzung und in der Betreuung der Betroffenen. Unter anderem haben wir Rehazentren für Menschen mit Rückenmarksverletzungen in Battambang, Kambodscha, und in Ho Chi Minh, Vietnam, aufgestellt. 

Entwicklung eines nationalen Programms 

Handicap International bildet lokale Akteure aus, damit sie Menschen mit einer Rückenmarksverletzung angemessen versorgen und Aufnahmezentren einrichten können. So soll die Autonomie der örtlichen Teams gefördert werden. In Vietnam hat Handicap International ausgehend von Ho Chi Minh ein nationales Programm zur Versorgung von Menschen mit einer Rückenmarksverletzung umgesetzt – dazu gehören auch 9 Rehabilitationszentren. Das Programm wurde in die nationale Gesundheitspolitik aufgenommen[2]. Dieses Modell soll die Gesundheitsversorgung dezentralisieren, sodass sie für Alle zugänglich wird. Das Projekt dient als Beispiel und technische Basis für die Einführung ähnlicher Programme in den Nachbarländern Vietnams[3].

Hilfe für Opfer von Naturkatastrophen

Handicap International hat in der Türkei, Pakistan, China, Haiti und Nepal Rehabilitationsmassnahmen für die Opfer von Erdbeben mit Rückenmarksverletzungen bereitgestellt, um ihre soziale Integration zu fördern und sie während des Wiederaufbaus des Landes zu begleiten (Recht auf finanzielle Entschädigung, Barrierefreiheit der Wohnhäuser etc.) Außerdem haben wir die humanitären Akteure dahingehend sensibilisiert, dass sie ihre Dienste auch für Menschen mit einer Rückenmarksverletzung zugänglich gestalten.


[1] http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs384/en/

[2] Im Rahmen des Nationalen Zentrums für Rehabilitation im Krankenhaus Bach Mai in Hanoi

[3] In Zusammenarbeit mit dem Asiatischen Netzwerk für Menschen mit einer Rückenmarksverletzung (ASCON)

2 September 2016
Einsatzländer

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf

Nadia Ben Said
Verantwortliche Medien
(FR/DE/EN)

Tel : +41 22 710 93 36
n.ben-said@hi.org

HELFEN
Sie mit

Lesen sie weiter

Amerikanische "intelligente" Landminen bringen die Zivilisten in grosse Gefahr
Basile Barbey / HI
Minen und andere Waffen Nothlife Stop Bombing Civilians

Amerikanische "intelligente" Landminen bringen die Zivilisten in grosse Gefahr

Anlässlich des Internationalen Tages der Sensibilisierung für Minen am 4. April wir fordern die Schweizerinnen und Schweizer auf, Druck auf die USA auszuüben. Diese sollen die am 31. Januar angekündigte Entscheidung über den erneuten Einsatz von Antipersonenminen rückgängig machen.

Interview mit Daniel Suda-Lang über seine Projektreise nach Kolumbien
(c) Daniel Suda-Lang / HI
Minen und andere Waffen Stop Bombing Civilians

Interview mit Daniel Suda-Lang über seine Projektreise nach Kolumbien

Anlässlich des Internationalen Tags zur Aufklärung über Minengefahren und zur Unterstützung bei Antiminenprogrammen am Samstag, den 4. April, stellen wir den Erfahrungsbericht von Daniel Suda-Lang vor. Daniel ist einer unserer Mitarbeitenden in Genf und Anfang März nach Kolumbien gereist. 

Mit Expertise gegen Covid-19
© Dominique Pichard / HI (Archive HI)
Gesundheit und Prävention Nothlife

Mit Expertise gegen Covid-19

Handicap InternationaI (HI) prüft derzeit die Einsatzmöglichkeiten, um Menschen mit Behinderung und andere Risikogruppen sowie die eigenen Teams vor dem Coronavirus zu schützen. Dabei soll das Fachwissen aus früheren Nothilfeaktionen und die Erfahrung aus Cholera oder Ebola-Epidemien für den Schutz der besonders gefährdeten Menschen eingesetzt werden.