Mossul: über 150.000 neue Vertriebene innerhalb von einem Monat

Syrien

Die Stadt Mossul hat sich seit Oktober 2016 in ein Schlachtfeld verwandelt. Mehrere hunderttausend Menschen sind von den Kämpfen eingeschlossen. Allein seit die Armee am 19. Februar 2017 die zweite Phase ihrer Offensive startete, sind 150.000 Menschen geflohen. Im Schnitt sind es derzeit täglich etwa 9.000 Flüchtende. Die Teams von Handicap International unterstützen die Bevölkerung in den Zufluchtsstätten und Krankenhäusern mit allen Mitteln.

Khazer Flüchtlingslager

Khazer Flüchtlingslager | © E. Fourt / Handicap International

„Da die Kämpfe in Mossul immer stärker toben, erleben wir eine unglaublich hohe Anzahl neuer Vertriebener“, erklärt Fanny Mraz, die Missionsleiterin von Handicap International im Irak. „Allein in den letzten zehn Tagen wurden täglich bis zu 10.000 neue Vertriebene registriert. Wir erwarten, dass diese Zahl in den nächsten Wochen sogar noch ansteigen wird…“ Einige Flüchtlingslager sind bereits voll belegt.

„Der Kampf um die Rückeroberung Mossuls begann schon vor sechs Monaten“, erklärt Maud Bellon, Koordintorin des Nothilfeeinsatzes von Handicap International. „Doch seit Februar sind die humanitären Bedarfe ungeheurlich gestiegen. Da die Kämpfe nun die dicht besiedelten Gegenden der Stadt erreicht haben, kommt es zu einer noch stärkeren Bevölkerungsvertreibung.“

Starker Anstieg der Opferzahlen

Unter den neuen Vertriebenen befinden sich sehr viele zivile Opfer aus dem Westen Mossuls, die dort während des starken Beschusses getroffen wurden. „Tausende Menschen wurden in den letzten Wochen verletzt. Wir treffen auf viele Männer, Frauen und Kinder, die von Geschossen, Explosionen oder Granaten verwundet wurden“, sagt Fanny. „Die Krankenhäuser und anderen medizinischen Einrichtungen sind einfach nicht mehr in der Lage, die vielen Neuzugänge und Traumaopfer zu behandeln, die mit dem Rettungswagen aus Mossul kommen.“

Die Teams von Handicap International sind in zwei Krankenhäusern tätig, um die Verwundeten zu versorgen, sobald sie eingeliefert werden. „Wir arbeiten in Hamdaniyah und Qayyarah, wo viele Opfer behandelt werden.“ Dort erhalten sie zudem Physiotherapie und psychologische Unterstützung. „Und wir haben auch unsere Einsätze in den Flüchtlingslagern ausgeweitet. Wir sind nun auch in Hamam Al Alil tätig, wo viele neue Vertriebene untergebracht sind. Unsere Teams tun ihr Bestes, um der Bevölkerung zu helfen“, erklärt Fanny Mraz.

Schwere Lebensbedingungen in Mossul

Geschätzte 750.000 Menschen sind immer noch innerhalb von Mossul gefangen. Auch dort ist die humanitäre Lage kritisch. „Viele Zivilistinnen und Zivilisten, die es geschafft haben zu fliehen, sprechen von katastrophalen Bedingungen in der Stadt, zum Beispiel herrscht ein schwerer Mangel an Nahrungsmitteln, Gas, Trinkwasser und Gesundheitsdiensten“, fügt die Koordinatorin Maud Bellon hinzu. „Besonders besorgt sind wir über die Notlage derjenigen Einwohner, die wir gar nicht erreichen können, solange die Kämpfe andauern.“ Die Menschen, die in der Stadt eingeschlossen sind, sind durch die Kämpfe besonders schwer gefährdet. Laut Angaben der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Wochen weitere 300.000 Menschen aus der Stadt fliehen. 

Ernste Bedrohung für Rückkehrende

Einen weiteren Grund zur Sorge bietet die Rückkehr der Familien, die in ihre Heimatstadt oder ihr Dorf zurückgehen, wenn die Kämpfe beendet sind. „Über 300.000 Menschen sind seit letztem Oktober aus Mossul geflohen, doch fast 70.000 von ihnen sind schon wieder zurück. Die Strassen und verlassenen Häuser, die nicht in den Kämpfen zerstört wurden, sind übersät mit explosiven Kriegsresten und improvisierten Sprengsätzen, die jederzeit explodieren können. Es ist immer noch sehr gefährlich.“ In den letzten Wochen haben unsere Teams die Aktivitäten zur Aufklärung über die Gefahren von explosiven Waffen verstärkt. So wollen wir sicherstellen, dass die Bevölkerung vor den Gefahren gewarnt ist und weiss, was zu tun ist, falls sie in ihrem Umfeld auf explosive Kriegsreste stösst.

(c) E Fourt/ Handicap International

Die Notlage in Mossul: Die Kämpfe zwischen den bewaffneten Kräften und den Regierungstruppen im Irak haben in den letzten Jahren die Vertreibung von mehr als drei Millionen Menschen verursacht. Schätzungen zufolge benötigen bereits elf Millionen Menschen im Irak humanitäre Hilfe. Durch die Offensive von Mossul sehen sich die internationalen Organisationen mit einer nie dagewesenen Herausforderung konfrontiert. Über 300.000 Menschen sind seit Oktober letzten Jahres vor den Kämpfen geflohen.
Handicap International und die Krise im Irak: Über 125.000 Menschen haben seit Beginn der Nothilfe von Handicap International 2014 bereits von unseren Hilfsmassnahmen profitiert. Da sich die Lage im gesamten Irak ständig verändert, überprüfen wir unsere Massnahmen regelmässig. Derzeit führt Handicap International folgende Aktivitäten zum Schutz der Bevölkerung durch: Sensibilisierung für die Risiken durch Landminen und konventionelle Waffen, nicht-technische Studien und Kampfmittelräumung in potenziell gefährlichen Gebieten, körperliche und funktionelle Rehabilitation, psychosoziale Unterstützung, Unterstützung für Gesundheitszentren, Ausbildung von Personal, Schulungen, Fürsprache für die Inklusion von Menschen mit Behinderung und technische Unterstützung für Partner, um die Inklusion von schutzbedürftigen Menschen in ihren Hilfsmassnahmen zu verbessern.
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